Hauptstadtkater

24. Dezember 2025

Katerliche Weihnachtsgeschichte Parte one

Es war einmal eine Familie in Berlin. Vier Leute – neben den Eltern ein Junge und ein Mädchen. Tom, 16 Jahre, Greta 15 Jahre. Im Mittelpunkt aber war ein stattlicher Kater. Namens Moro. Grau getigert, British Kurzhaar. Der immer da war. Wenn einer der ihren Sorgen hatte. Ein Trostspender par excellence eben.

Nun begab es sich zu einer Zeit kurz vor Heilig Abend, dass Greta sehr traurig wurde. Was zum einen daran lag, dass die Posts ihrer Stars auf Tiktok und Insta perfekte Bodys zeigten, perfekt performte Gesichter. Was sie beides nicht hatte. Wie sie zumindest dachte. Ihre Traurigkeit kam zum anderen aber auch daher, dass Schule sie extrem langweilte. Sie Arbeiten verpasste. Die Lehrer motzten. Die Eltern auch. Und dann waren auch noch die besten Freundinnen weg – ein Jahr Austausch.

Und heute war so ein Tag, da noch nicht mal Moro das Trübsal wegkuscheln konnte. Und so beschloss Greta, einfach mal zu verschwinden. Zum nahen Weißensee. In ein Versteck, in das sie sich noch vor drei Monaten mit ihrer besten und nun in Kanada weilenden Freundin Joko zum Chillen zurückgezogen hatte.

Nun, ihre Eltern in heller Aufregung, als sie merkten, dass die Tochter am Abend nicht zuhause war. Rennen zur Polizei. Und die Beamten da, tiefenentspannt: „Nu ma janz locker, wa? In neunundneunzig Komma neun Prozent von de Fällen regelt sich dit von alleene in de nächsten vierundzwanzig Stunden.  Die Kids tauchen wieda uff – bei Freun’n, Bekannten, sonstwo. Als wär jar nüscht passiert.  Mal ehrlich, wat glaubense denn, wat hier los wär, wenn wa jedem einzelnen Vermissten gleich hinterherrennen würdn? Da kämen wa ja zu nüscht mehr!“

Verzweifelt nehmen die Eltern und Tom selbst die Suche auf. Vergessen, die Haustür zu schließen. Und Moro? Ist plötzlich auch verschwunden. Entwischt. Doppelte Verzweiflung. Geht das? Es geht.

Tom ruft beim Polizeirevier an. Fragt, ob – wenn schon kein Mädchen – dann doch ein Britisch Kurzhaar zufällig abgegeben worden sei. Der Polizist, total freundlich: „Hier jeben se täglich zig Katzen ab, wa. Ne Britisch Kurzhaar war leider nich dabei. Aber jeben Se ma ’ne genaue Beschreibung vom Tier durch. Dann sach ick de Kollegen auf Streife Bescheid, die Augen offen zu halten.“

Eine Stunde später ruft der Polizist wieder an. Am Weißensee sei eine Katze gesichtet worden, die aussehe wie Moro. Seine Kollegen hätten das Tier in den Büschen in einer Art Versteck entdeckt. In dem auch eine vermisste Teenagerin gelegen habe. Das Mädchen sei unterkühlt und völlig erschöpft. Aber schon ok. Wenn Moro nicht gewesen wäre, wer weiß…. Moro – Held.

Die Eltern und Tom fühlen Glück. Unfassbarer Flow. Rasen auf E-Scootern zum Weißensee. Greta liegt auf eine Trage. Lächelt. Sanitäter reichen ihr heißen Tee. Und dann: Bewegt es sich neben ihr unter der Decke. Und ein Kopf lugt oben heraus. Moro – neben Greta. Und alle umarmen sich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Kitsch. Mag der ein oder andere sagen. Und ich erwidere: Manchmal ist das Leben ein einziger Kitsch. Schöner Kitsch. Why not? Sagt der bewegte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt feiert Weihnachten. Und chillt, Leute.

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