Diegos Triumph: „Woooooow bruuuuudi“ – Und Soccer-Trauer

Triumph oder Pleite. Oft so nah beieinander. Diego heute high. Zunächst. Weil er sein Ergebnis vom Medizinertest erfährt, den er vor ein paar Wochen gemacht hatte: 98 Prozent. 90 Prozent hätte er gebraucht, um mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Medizin-Studiumplatz zu ergattern. Was die 98 bedeutet: Von den mehr als 18.000 jungen Menschen, die deutschlandweit für den Test angemeldet waren, sind nur zwei Prozent besser als er.

Das löst Emotionen aus. Positive. Bei meinen Leuten. Stolz. Selbst bei meiner Bruna fällt die Fassade: „Woooow bruuuudi“, postet sie. Besser geht nicht. Denke ich so. Und schmiege mich an den Sieger des Tages. Um Streicheleinheiten abzuholen. Vom Doctore. Und er? Übersieht mich geflissentlich. Und läuft zu Coco. Die mal wieder rumgockelt. Und ich so: Krasse Enttäuschung. Pleite. Loser.
Tja, ein komischer Tag. Dieser Glückstag. Es kommt auch dick für die Soccer-Fans unter meinen Leuten. Zu denen zweifelsohne Doctore Diego zählt. Es ist ja gerade diese komische Fußball-WM in Amerika. Und wie immer: Deutschland will das Ding gewinnen, fühlt sich großartig. Vor allem gegen einen Außenseiter wie Paraguay.
Und dann: Niederlage. Ausscheiden bereits im Sechszehntelfinale. Im Elferschießen, eine Disziplin, in der Deutschland bei Weltmeisterschaften immer gewonnen hatte. Eine Demütigung. Unfassbar. So empfinden es hier viele. Es ist laut. Vor unserem Balkon. Nach der Niederlage.

Mitten in der Nacht: Böller, prollende, grölende Menschen wecken und werfen meine arme Laura aus dem Bett. Und ich denke so: Viele Leute sind jetzt wirklich schlecht drauf. Aggressiv. Gedemütigt. Nicht so gut, wenn die Laune im Land eh nicht gut ist. Katerstimmung eben. He he. Wenn es nur so wäre. Denn das bedeutet eigentlich Party. Ja, und in Parguay, da ist es so: Großartig. Nice to lose!
Oder? Felix sitzt mit starrem Gesicht vor seinem Computer. Wo er eigentlich Texte reinhauen sollte. Über Iran-Krieg, Trump und Hitze, die nicht mehr ist. Denke ich so. Fröstelnd. Sehe, wie kleine Tränen über Felixens Gesicht laufen. Really. Ich schwöre. Denn ich schmeichle mich an ihn. Fühle mich als Gewinner. Denn das salzige Nass, das ich nun ablecke, ist besser als jedes Käse-Leckerli.

Und Felix lässt mich gewähren. Er reibt sein geschwollenes Handgelenk. Verletzt durch den Schuss eines Mitspielers beim Senioren-Fußball. Der Schmerz treibe ihm Tränen in die Augen. Behauptet er. Und ich glaube ihm kein Wort. Weil er nur über den Trainer der deutschen Mannschaft flucht, über angeblich falsche Schiedsrichter-Entscheidungen. Ein zu Unrecht aberkanntes Tor hätte eigentlich den Sieg gebracht. Behauptet er.
Und lächelt unvermittelt. Nun müsse er nicht mehr zum Arzt gehen, sagt er. Und schon ist Doctore Diego da. Strahlend. Trotz Soccer. Streicht ihm Voltaren aufs Gelenk. Während ich weiter Tränen lecke. Und Paraguay feiert. Triumph, Niederlage. So ist das. Sagt der demütige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt Sieger. Und chillt, Leute!
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