Hauptstadtkater

25. Dezember 2025

Katerliche Weihnachtsgeschichte Part two: Die Therapiekatze

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, eine Jungkatze von gerade mal sechs Monaten. Namens Tintenfass. Die lebte in einer Kleinstadt in einem Einfamilienhaus bei einem alten Ehepaar. Die beiden Alten tranken gleichsam aus der Katze ihren Lebensmut. Nachdem ihre längst erwachsenen Kinder seit Jahren nicht mehr zu Besuch kamen – nicht einmal zur Weihnacht. Und dann auch noch ihr geliebter Kater Moro im Alter von 23 Jahren im Sommer gestorben war.

Nun begab es sich an diesem Heiligen Abend. Dass sie wie in jedem Jahr einen Tannenbaum aufstellten. Und wie es ihre Tradition so wollte: Den Baum mussten „echte“ Kerzen schmücken. Tja, um es kurz zu machen: Nicht jede Weihnachtsgeschichte muss schön enden. Es kam, wie es kommen musste: Zum Unglück! Tintenfass, verspielt wie eh und je, sah die im Baum hängenden Kugeln. Und kugelte sich mit ihnen. Im Baum. Der schwankte. Die Kerzen auch. Die dann herabfielen. In die Nadeln. Feuer. Not. Tot. Tod?

Nun, geneigte Leserin, geneigter Leser, es ist nicht das Ende der Geschichte. He, he. Es ist doch Weihnacht. Und damit besteht nun doch noch die Chance auf ein Happy End. Denn Tintenfass überlebte den Brand, lief aus dem qualmenden Haus, wurde vom Tierfang entdeckt und ins Tierheim gebracht. Und dort von Hedi entdeckt. Ihr fragt, wer ist Hedi? Nun, Hedi ist eine junge Frau. Die ihren Lebenssinn darin sah, anderen zu helfen. Denen es schlecht ging.

Auch Katzen. Sie nahm Tintenfass zu sich nach Hause. Einer WG in einem Haus für psychisch kranke Jugendliche. Die eine schrie immer wieder: „Ich will hier raus. Ich bin gefangen.“ Bevor sie in tiefe Agonie verfiel. Die Zweite schwieg eigentlich immer. Um dann ihren Kopf an die Wand zu schlagen. Der Dritte – ein homosexueller Syrer, der unbedingt zurück in seine Heimatstadt Damaskus wollte, um dort eine queere Community aufzubauen. Und schon in Deutschland die Anfeindungen ob seiner sexuellen Ausrichtung nicht ertragen konnte. Die Vierte: Schluckte regelmäßig Metallnägel und Plastikfiguren, ritzte dann die Arme, weil sie sich fühlen wollte. Und dann kam Tintenfass.

Strich um die Beine der Teenager. Miaute. Sprang auf deren Arme. Kuschelte mit ihnen. Ließ ihr tiefes Schnurren ertönen. Ließ sich ihr weiches Fell streicheln. Macht High-Five mit den Deprimierten. Lernte Kunststücke. Und die Jugendlichen: Hatten plötzlich eine Aufgabe. Lächelten. Erstmals seit langem. Und Hedi? Erstrahlte mit ihnen. Und wenn sie nicht gestorben sind. Dann leben sie noch heute.

Nein – auch das ist nicht das Ende: Natürlich überlebte auch das alte Ehepaar von Tintenfass. Ihr Haus mussten die beiden allerdings verlassen. Ihr Glück: Sie zogen zu ihrer Tochter. In ein großes Haus. Schmückten dort einen Tannenbaum. Und merkten: Auch elektrischer Kerzenschein. Ist feierlich. Vor allem, wenn er zusammen in einer großen Familie genossen wird. Sagt der weihnachtende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Staunt über das Leben. Und chillt, Leute. Frohe Weihnacht. Auf jeden Fall.

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