Der gespaltene Mensch und Disharmonie auf dem Küchentisch

Menschliches Verhalten ist grundsätzlich triebgesteuert. Es gibt darin keine Konsistenz. Menschliche Reaktionen sind von Stimmungen abhängig. Und Momenten. Ein Beispiel: Eigentlich wollen sie uns Katzen grundsätzlich dicht bei sich haben. Kuscheln. Schmusen.
Heute aber mal wieder: Felix behauptet, es herrsche Katzenüberschuss auf unserem Küchentisch. Weil Coco und ich über seine dort liegende Zeitung streifen. Und ich denke so: Wir mögen eben auch Gesellschaft, menschliche Gesellschaft. Und ertragen dann sogar Felix. Wenn kein anderer da ist.
Und naturally: Wir. Lieben. Zeitungen. Papier. Printprodukte. Die groß und weich sind. Und so nice rascheln. Vor allem, wenn Felix umblättert. Diese Bewegung. Flatterndes Papier. Eine Reminiszenz an Vogelflügel. Wir sind da. Setzen zum ultimativen Schlag an. Treffen – und klar, unser Erfolg ist ein klaffendes Loch in der Seite. Findet Felix nicht lustig. Wir schon.

Man darf doch auch mal positiv sein. Denke ich so. Im trüben November. Denn erst mal scheint der heutige Tag mal kein schlechter zu sein. Mit Blick auf Welt. Der UN-Sicherheitsrat, das höchste Gremium der Vereinten Nationen und seit Jahren notorisch zerstritten, zeigt sich überraschenderweise mal einig. Und stimmt einer Resolution zur Absicherung des Gaza-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump zu.
Was bedeutet, dass dieser Plan, durch den endlich eine dauerhafte Waffenruhe und dann Frieden im Gazastreifen erzielt werden soll, auf eine breite Unterstützung durch die Staatengemeinschaft bauen kann. Und auch nice: Die Abstimmung zeigt, dass sich die großen Antagonisten USA, China und Russland mal nicht gegenseitig blockieren.


Also, eigentlich ein Lichtstreif am düsteren Horizont, endlich mal. Der übertriebene Jubel darüber von Trump, der von einem historischen Fortschritt und Weltfrieden schwadroniert, aber verdüstert diesen Streif. Weil mal wieder offenbar wird: Trump ist nur ein Poser, Blender, Prahler, dem es nicht um die Sache, sondern nur um sich selbst geht. Denn der Weg zu einer nachhaltigen Waffenruhe ist trotz der Zustimmung des Sicherheitsrats fern.
Die beiden Kriegsparteien, Israel und die islamistische Terrororganisation Hamas, sind über diese Resolution nicht amused. Israel ließ schon vor der Verabschiedung verlauten, die Resolution sei nicht gut, da in ihr von einem Weg zur palästinensischen Selbstbestimmung und Staatlichkeit die Rede sei. Und ein Staat für die Palästinenser – no way für Israel.
Und die Hamas moniert, der geplanten Entwaffnung ihrer Leute werde sie nicht zustimmen. Die Resolution erfülle nicht die Forderungen des palästinensischen Volks.

Blockade – die fühlt offenbar auch Felix. Am Küchentisch. Und schuld sind: Wir. Coco und ich. Und das, obwohl wir Zeitung und Tisch längst verlassen haben. Und uns auf den Küchenstühlen platziert haben. Ist Holger auch nicht recht.

Symptomatisch für Mensch: Egal, was ihm angeboten wird, er ist dagegen. Aus Prinzip. Und Trieb. So entschwinde ich. Aus der Küche. Ich bin unabhängig. Relativ. Sagt der entspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.
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