Mio Amore Palermo: Stadt der Kater ohne vertrocknete Schnecken

Amore mio: Palermo. Sie sind angekommen. Meine Nuria und Diego. „Traumhaft“, schreiben sie. Die Wohnung meiner Nuria liegt mitten in der Altstadt, nah am Hafen. Mit großem Balkon. Auf dem Diego und sie nun chillen. Im Licht der untergehenden Sonne. Bei 29,7 Grad. Mit sizilianischer Pizza.
Hier darf Meine Nuria jetzt überwintern. Bis März. Mit ihrem Erasmus-Studium. Sie zieht es durch – ohne mich. Und ich frage mich so: Tell me why? Denn ich könnte auf ihrem Balkontisch sitzen. Wachkater quasi. Es könnte so schön sein. Wenn ich dabei wäre.


Meine Nuria schwärmt bereits jetzt: Von der crazy Stadt. Der Lebensfreude. Den Restaurants, Bars, der Straßenmusik. Den unendlich vielen Katzen. Und Katern, naturally. Eine Stadt der Kater. Sie erzählt von Straßenkunst: Von einer Hausfassade prangt das überdimensionale Gesicht einer Palästinenserin mit der Zeile: Free Palestine.

Typisch, denn mit Unterdrückten solidarisiert sich die Stadt gern. Im Hafen legen oft Rettungsboote an, die Geflüchtete im Mittelmeer gerettet haben. Und natürlich auch Boote mit Migranten. Denen es mittlerweile aber auch in Palermo noch schwerer gemacht werde. Erzählt meine Nuria. Denn auch hier sei die frühere Willkommenskultur mit der Wahl eines von einem rechtspopulistischen Bündnisses gestützten Mannes einer eher skeptischen Stimmung gegenüber Flüchtlingen gewichen.
Auch, weil die Unterkünfte dauerhaft überfüllt sind, Migranten mit Einheimischen um preisgünstigen Wohnraum konkurrieren. Weniger Geld für Hilfen da ist. Es Gewalt in den Unterkünften geben soll, die Kriminalität durch Migranten steige.

Bis 2022 galt Palermo unter Bürgermeister Leoluca Orlando noch als Gegenmodell zur restriktiven nationalen Migrationspolitik. Fast legendär seine Aussage, in Palermo gebe es keine Ausländer. „Wer in Palermo ist, ist Palermitaner“, sagte er. Und verwies stolz auf den Wandel der Metropole: Früher sei Palermo Hauptstadt der Mafia gewesen. Mittlerweile für Kultur. Und doch, die Stimmung hat sich eben auch hier gewandelt. Trotz der vielen Kater. Und Katzen.


Komische Zeiten. Denke ich so. Wenn ich so um mich blicke und höre, über was die Menschen sonst so debattieren. Die Franzosen beispielsweise jammern, die Schneckenernte – yes: Schneckenernte! – sei in diesem Jahr mies ausgefallen, so dass die Delikatesse in diesem Herbst echt rar wäre. Dass die Schnecken vertrockneten wegen der wohl durch den Klimawandel mitverursachten hohen Temperaturen. Nun, auch schlimm…
Während in Südkorea Menschen damit hadern, dass Hunde künftig nicht mehr serviert werden dürfen. Und nicht verstehen, warum das vor allem Europäer freut, die doch selbst Schweine und Rinder futtern. Wo der Unterschied zwischen dem Leben eines Hunds und eines Schweins sei. Fragen sie.
Und ich bin fast froh, dass derzeit nicht über den Nährwert von Katzen diskutiert wird. Wenngleich ich naturally weiß, dass wir vor allem in Asien weiter gefuttert werden, vor allem in Vietnam und einigen Teilen Chinas. In Palermo dagegen werden wir Kater und auch Katzen geliebt. Und gehegt und gepflegt.

Palermo sei die Stadt der Katzen. Und Kater. Erzählt meine Nuria: Katzen seien hier eine Art lebendiges Kulturerbe. Und ich weiß nun bestimmt: Ich. Will. Nach. Palermo. Amore mio. Spätestens wenn Diego in zwei Wochen abreist. Sagt der migrantische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid weltoffen. Und chillt, Leute!
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