Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 6. September 2025

    Coco ist da, Erinnerungen an Moro und meine Rollenänderung

    Es kommt dann eben doch immer alles anders als man denkt. Plötzlich also ist Coco da. Leibhaftig! Steht sie vor mir. Klein. Babyface. Große Ohren. Kleine Nasen. Schwarz-rot-weiß gescheckt. Voll frech. Voll keck. Voll respektlos. Blickt sie mir tief in die Augen. Dass Schauder mich durchfluten.

    Weil ich den direkten Blick nicht mag. Zuletzt ähnliche Blick mit Moro wechselte. Und nun betroffen bin. Sie hat meine Unsicherheit mit dem ersten Blick durchschaut. Und ich habe einen Flashback. Bin plötzlich der kleine Charlie. Vor drei Jahren. gerade mal zwei Monate alt. Komme ich hier in meinem Berliner Revier an.

    Und da steht der große Moro vor mir. Der mich mustert, anstarrt. Unbewegt. Und starrt. Und starrt. Und ich auf so etwas überhaupt nicht vorbereitet bin. Da meine Mitkater direkt nach meiner Geburt die ganze Zeit nur mit mir rumtollten, mit mir rumschmusten, wir eine tolle Truppe waren. Lebensfreude eben. Und dann Moro. Der dann irgendwann ganz langsam näher kam. Und: Mich dann sogar anknurrte. Als ob. Er. Gerade er. Ein Köter wäre.

    Nun. Da hatte ich erst mal Respekt. Und dachte: Was für ein komischer Kater doch dieser Moro ist. Gestört. ADHS oder so. Wie absurd, ein lonely Kater, der sich nicht lecken lassen will. Von mir. Der nicht kuscheln will. Mit mir. Aber dann. Im Laufe der Jahre. Änderte er sich. Ließ sich lecken. Trollte mit mir rum. Wir wurden beste Freunde. Und wir liebten uns. Denn Moro war zart. In seiner Seele. Und scheu im Umgang. Ein Lieber. Bis zu seinem plötzlichen Tod. Eben.

    Jetzt bin ich der Große. Plötzlich in der Moro-Rolle. Und Coco ist ich. Irgendwie. Klar. Ich freue mich. Dass wieder ein Katzentier da ist. Schon besser als Menschen. Die ständig weg sind. Und keine Ahnung vom Krallenwetzen haben. Beispielsweise. Aber Coco überfordert mich auch.

    Denn alle rufen nur: „Guckt doch mal, was sie wieder macht. Wie sie auf das Sofa hüpft. Wie sie sich auf dem Teppich rollt. Wie sie auf ihre Toilette geht. Süüüüüüß.“ Und das Schlimmste: Ich bekomme Mitleid: „Ach Charlie, der Arme, da sitzt er ruhig, mit Abstand und glotzt nur.“ Sagt meine Bruna. „Wir müssen uns um ihn kümmern. Damit er sich nicht herabgesetzt fühlt.“ Müssen sie nicht. Denke ich so.

    Auf jeden Fall: Das zu hören, macht alles noch viel schlimmer. Für meinen Mind. Klar: Ich will Coco nicht irritieren. Sie scheint nice zu sein. Entspannt. Selbstbewusst. Hübsch. Als sie sich mir nähert, miaue ich trotzdem. Und sie zuckt zusammen. Was ich doch goutiere. Ist mein Revier. Ich. Bin. Boss.

    Und ich denke so – angewidert von mir selbst: „Hach, bin ich ätzend. So menschlich. Leicht zu durchschauen. Aber ich kann gerade nicht anders. Nicht mal über meinen Schatten springen. Instinkt.“ Denke ich so.

    Meine Bruna schmeißt mir ein Extra-Leckerli zu. Reizt mich nicht. Was noch nie so war. Aber tatsächlich ist mein Appetit weg. Ich. Bin. Fasziniert. Von Coco. Und meiner komischen Reaktion.