Hauptstadtkater

14. November 2025

Über das Wasser und meine Aversion

Ich. Hasse. Wasser. Es ist unangenehm. Unästhetisch. Nass. Kalt. Verklebt das Fell. Macht mich schwer. Es dauert ewig, bis ich getrocknet bin. Und: Selbst Trinken ist eher lästig. Weil: Wasser stinkt. Chlor. Was Menschen mit ihren Nüstern gar nicht wahrnehmen. Wasser ist auch äußerst rutschig. So manchen Sprung habe ich dadurch schon versaut, weil ich eine Wasserlache im Ziel nicht antizipiert hatte.

Meine Aversion gegen Wasser: Liegt in meinen Genen. Und ist damit voll natürlich. Denn, geneigte Leserin, geneigter Leser – Ihr werdet wissen, von wem ich abstamme: Yes, Löwe. Der kommt aus der Savanne. Wo Wasser Mangelware ist. Er sich also nie daran gewöhnen musste.

Coco. Liebt. Wasser. Was zeigt, wie degeneriert ihre Rasse ist. Main Coone eben, kein Britisch Kurzhaar wie ich. Heute wieder: Sitzt sie auf dem edlen Herd vor dem Topf mit dem gerade abgekühlten Wasser, in dem die Eier badeten. Und taucht dann ihre Pfoten ein. Erst die rechte, dann die linke. Wieder und wieder. Und spritzt dann mit dem Wasser rum. Ohne Ende. Und ich? Fliehe.

Menschen stehen dem Wasser ähnlich gegenüber wie meine Spezies. Manche mögen es. Andere nicht. Bei Menschen aber gibt es ein Problem: Die, die es nicht mögen, stinken. Selbst aus meiner Sicht. Weil sie sich nicht putzen können. Wie unsereiner. Wir Kater. Eben.

Felix kennt eine wasserliebende Frau. Eine Kollegin, die leidenschaftlich gerne segelt. Um auf ihrem Boot die Kraft des Wassers zu spüren, zu erfahren, sich ihr hinzugeben, zu genießen. Sagt sie. Erzählt Felix. Sie hat sich nun für eine Segelregatta namens The Ocean Race eingekauft, zehn Segelboote sind dabei, jeweils mit einer Crew von 18 Leuten. Mit den 20 Meter langen Schiffen geht es monatelang rund um die Welt, von Kapstadt nach Australien, Nordpolarmeer, Kanada, Panama-Kanal, Atlantik-Überquerung.

Je höher die Wellen, desto besser, schwärmt die Kollegin. Wenn Brecher von bis zu 20 Meter in Sicht seien, schieße in ihr das Adrenalin hoch. Ein Rausch. Wenn das Boot dann in die Höhe gehoben werde, dann nach unter rase. Besser gehe es nicht. Diese Kraft zu spüren. Sich dem auszusetzen. Das sei Leben. Auch wenn es nicht ganz ungefährlich sei. Und sie im Fall der Fälle die Erlaubnis für eine Seebestattung ihrer Leiche gegeben habe.

Und ich denke so: Geht auch anders. Dieses Flow-Feeling zu bekommen. Einfach Springen. Beispielsweise auf den Kühlschrank. Wo eigentlich keine Landefläche ist. Ich sie aber doch finde. Und dann stehe ich da. Neben dem Kitten-Trockenfutter von Coco. Schlitze die Tüte auf. Und lasse mir die Perlen schmecken. Und gerate ins Chillen.

Wenn nur Coco nicht wäre. Die ihre nassen Pfoten schüttelt. Und dann – dann drückt sie den Topf per Nase Richtung Abgrund. Der Topf stürzt. Und überall verteilt sich das Wasser, auf dem Boden, auf meiner potenziellen Landefläche. Alles nass. Eklig. Wo ich landen könnte? No way. Sagt der trockene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

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