Hauptstadtkater

15. Oktober 2025

Wenn ich wegschwebe, ist es so nice…

Ich fühle mich hintergangen. Von den Menschen – in aller Welt. Vor allem von jenem mächtigen Staatenlenker in den USA, der behauptet, jetzt kehre in Nahost für immer Frieden ein. Warum das so sein sollte? Erklärt US-Präsident Donald Trump nicht. Denn der krasse Krieg im Gazastreifen. Mit Zehntausenden Toten. Und Zerstörung. Der kann jederzeit wieder aufgeflammt werden. Wenn Menschen das wollen.

Und ich denke so: Warum kann Mensch nicht so sein wie Tier? Kein Tier ist so grausam zu einem anderen seiner Spezies wie der Mensch zu Seinesgleichen.  Oder zerstört Lebensraum seiner Spezies. Tiere leben im Einklang mit der Natur. Menschen dagegen – bezeichnen Natur als Umwelt. Welch Hybris. Als ob sie außen vor wären. Nicht mit ihr.

Ich bin abhängig von dieser selbstzerstörerischen Spezies. Von Menschen. Und bin deswegen traurig. Suche dann absurderweise aber doch wieder ihre Nähe. Denn Nähe ist die beste Medizin. Für geschundene Seelen. Wie die meine.

Vor allem, wenn diese Nähe von meinem Lieblingsmenschen gegeben wird. Meiner Bruna. Ja, es gibt sie auch – gute Menschen. Und damit Hoffnung. Ich bin bei meiner Bruna. Und dann: Schwebe. Ich. Völlig. Losgelöst. Von dieser Erde. Und die menschlichen Arschlöcher – sorry für die Wortwahl –  werden kleiner und kleiner – und verschwinden.

Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht sehen, wie Hamas-Terroristen mit schicken Uniformen auf blitzenden Autos durch die Straßen Gazas patrouillieren, Maschinengewehre schwingen. Trotz Hungersnot – sie wirken durchtrainiert und muskulös. Als ob sie in den zwei Jahren israelischer Bombardements und Stopp der Hilfslieferungen in ihren Tunnels genug Futter gehabt hätten. Und der Vorwurf der israelischen Armee, die Hamas habe seit Jahren Nahrungsmittel für die notleidende Palästinenser selbst eingesackt, stimmen könnte. Nein: Muss.

Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht Nachrichten hören, dass die Hamas-Terroristen Palästinenser erschießen, denen sie Kollaboration mit der israelischen Armee vorwerfen.

Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht den Schwachsinn von Trump inhalieren. Der erst in seinem „Friedensplan“ auf die Entwaffnung der Hamas besteht. Und der dann sagt, die Hamas müsse erst mal die Kontrolle über den Gazastreifen haben, um ein Chaos zu verhindern – und im Kampf mit rivalisierenden Banden natürlich auch Waffen braucht.

Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht denken, dass Trumps Friedenplan total unüberlegter Humbug ist.

Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht erkennen, dass der israelische Premier Benjamin Netanjahu die Hamas eigentlich gar nicht – wie von ihm behauptet – vernichten will. Weil er sie braucht. Fürs eigene Überleben. Denn nur mit der Hamas kann die von ihm so gehasste Zweistaatenlösung verhindert werden. Mit dem Verweis, dass eine Terrortruppe wie die Hamas keinen Staat führen oder mitgestalten könne.

Und so dulde ich, dass meine Bruna mir meine Nase knetet. Kneift. What a feeling. Ich spüre mich. Und die Welt. Schwebe. Das ist real. Sagt der Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt.

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