Plädoyer für einen würdigen Träger des Friedensnobelpreises

Für mich ist ziemlich klar, wer den Friedensnobelpreis in diesem Jahr verdient hätte. Und noch klarer, wer nicht: US-Präsident Trump. Ich frage mich so, Alta, wie kommt das rüber, wenn man sich wie Trump ständig selbst lobt und preist und erklärt, man sei der Größte. Friedensstifter. In. Der. Welt? Und gleichzeitig erklärt, man wolle Grönland und Panama haben – und dabei auch Gewalt nicht ausschließt. Wo ist die Welt gelandet, dass solch ein großkotziger Prolet, dem Anstand und Benehmen Fremdwörter sind, tatsächlich ernsthaft für diese Auszeichnung einer altehrwürdigen Institution gehandelt wird?
Und dann, dann hüpfe ich heute Morgen tatsächlich auf – aus meinem mir eigentlich verbotenen Thron, dem für Hunderte Euro restaurierten antiken Topsessel meiner Leute. Und es entringt sich meiner Kehle ein triumphähnlicher Laut. Denn ich höre: Den Friedensnobelpreis bekommt nicht Trump. Für mich das Wichtigste.

Die Preisträgerin kenne ich nicht. Scheint aber eine gute Frau zu sein, heißt Maria Machado, ist venezolanische Oppositionsführerin. Gerühmt als Kämpferin für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie. Die ihr Leben dafür riskiert – ohne Populismus oder Waffen. Also: Eine Art Anti-Trump. Die allerdings eine nicht ganz unwichtige Sache mit Trump teilt: Beide haben denselben Feind: Venezuelas Diktator Nicolás Maduro.
Und so ist Machados erste Reaktion nach der Freude auch nachzuvollziehen – sie widmet den Preis nicht nur ihrem Volk, sondern auch Trump. Ausdrücklich nur deswegen, weil dieser Verbündeter im Kampf gegen Maduro sei. Sagt die Frau, die nach massiven Drohungen der Regierung im Untergrund leben muss. Trump sollte sich geehrt fühlen. Denke ich so. Wissend, dass es so natürlich bei dem Typen nicht ist.

Nach der Verkündung meldet sich denn auch nur ein Sprecher des Weißen Hauses, ziemlich beleidigt: Das Nobelkomitee habe bewiesen, dass es die Politik über den Frieden stelle, sagt er. Trump werde weiter Friedensabkommen schließen, Kriege beenden und Leben retten. Er habe das Herz eines Menschenfreundes, und es werde niemals jemanden wie ihn geben, der allein durch die Kraft seines Willens Berge versetzen könne. Mir wird so übel. Als ich das lese. Und könnte nicht so viel Katergras fressen, wie ich gerne kotzen würde.
Und in Norwegen, wo das Nobel-Komitee sitzt, gibt es nun really Politiker, die fürchten, per neuen Zöllen von Trump bestraft zu werden. Und ich denke so: Ernsthaft? Das Nobel-Komitee ist unabhängig. Aber klar – sowas kennt Trump nicht.
Ich will nicht nur lamentieren, denn heute ist vor allem ein guter Tag. Und zwar auch deswegen, weil am Mittag im Gaza-Krieg tatsächlich eine Waffenruhe zwischen der islamistischen Hamas und Israel in Kraft trat. Und ich gebe ja zu – die beruht auf dem von Trump präsentierten Friedenplan. Aber: Keiner weiß, ob und wie lange die Feuerpause hält. Ob es tatsächlich einen Frieden geben wird.
Denn der Weg dahin ist noch sehr lang – sehr fraglich, ob die Hamas wie gefordert ihre Waffen niederlegen wird. Und, was dazu kommt, dass Trump nicht Gewinner der Auszeichnung wurde: die Waffenruhe kam für den Friedensnobelpreis zu spät. Machado soll schon ein paar Tage zuvor als Siegerin festgestanden haben.


Und ich, liebe Leserin, lieber Leser, halt mich jetzt mal vornehm mit Eigenlob zurück. Aber, checkt doch einfach mal, wie meine Leute reihenweise schmelzen, wenn ich sie anchille. Anschnurre. Mich kuscheln lasse. Rum schwadroniere. Mit meinen gedanklichen Fetzen. Kurz: Auf diese Art Frieden schaffe. In ihren Seelen.
Nun, leider reagiert die große Welt nicht auf mich. Obwohl ich einen so geeigneten Kandidaten für Trumps Lieblingspreis wüsste. Und so verbleibe ich: Der Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt.
Schreibe einen Kommentar