Hauptstadtkater

3. Oktober 2025

Catcalling bei Nurias Rom-Rückkehr

Tag unserer Einheit: Meine Nuria ist zurück! Aus Rom. Nach drei Wochen Italienisch-Sprachkurs. Und – ich so superglücklich: Endlich mal wieder alle zusammen. Die familia. Wir sechs! Diego – back aus Brazil. Meine Bruna! Die Alten. Und ich. Tja – wie konnte ich es vergessen. Wir sind ja zu siebt. Natürlich. Coco! Sie jumpt gegen mein Face. Mamamia. 

Und schon schwindet meine gute Stimmung. Denn auch meine Nuria disst mich. Sagt, als sie mich erblickt:“ Charlie, bist Du dick geworden.“ Und ich denke so: „Alta, gibt es das? Diese grün-links versiffte Gendertusse, die so auf Sprache achtet, kommt mir so. Mit Bodyshaming. Und es stimmt noch nicht mal: Ich. Bin. Nicht. Dick. Ich habe viel Fell.“

Immerhin, meine Leute haben Spasssss und machen den ultimativen Test. Und ich spiele mal mit. Setze mich auf ihre bekloppte Waage. Und siehe da: Ich, der Charlie, wiegt gerade mal  3,8 Kilogramm. 100 Gramm weniger als vor acht Wochen. Übrigens. Und doppelt so schwer wie Coco. Das Baby.

Quod erat demonstrandum – für die Nicht-Lateiner: Was damit bewiesen ist: Alles ist relativ. Und im Zusammenhang zu sehen. Denke ich mal wieder so. Neben dem großen und alten Moro – der große Katergott habe ihn selig – wirkte ich klein, zerbrechlich, ja: und auch voll verspielt und wild. Jetzt aber, wo das schlank-ranke Baby Coco wie ein Wildfang herumtollt und kaum zu stoppen ist, wirke ich fett, behäbig und alt. Obwohl sich – ganz objektiv gesehen, nichts geändert hat. An mir.

Denn: Ich erwähnte es bereits, es liegt auch an den Genen, an meiner Rasse: Britisch Kurzhaar sind eben nun mal breiter, eher untersetzt – vor allem im Vergleich zu den schlanken Maine Coons mit ihren schmalen Gesichtern. Nun, naturally, hatte mich über Nuria geärgert, aber klar ist: sie ist trotzdem supersmart. Und zum Glück nicht zur Römerin mutiert. Klar, bella Italia, dolce Vita, Pizza, Sonne, Wärme seien schon cool. Sagt sie. Aber nicht alles sei wirklich nice. Und sie zählt auf: Wenig Kater. Sehr laut. Viel Beton. Und: Sehr viel Catcalling.

Und ich so: „Wat, Catcalling, wat ist denn das?“ Und meine Nuria so: „Nun, in Italien pfeifen mir fast alle Männer nach, machen blöde Sprüche oder zwinkern anzüglich, das nervt, extrem“, sagt sie. Und ich denke so: „Warum ist sie auch blond? Hej, das soll ein Witz sein. Und denke weiter: Ist voll abartig, dass der Mensch ein Wort, in dem Katze vorkommt, negativ konnotiert, meine Spezies mal wieder missbraucht wird. Katzenrufe sind doch eigentlich was Positives.“

Meine Nuria jedenfalls ist von den Römern genervt. Dann doch lieber die spröden Berliner. Sagt sie. In der grauen, drögen, langweiligen deutschen Hauptstadt. Sie schnalzt mit der Zunge. Und ich bin da. Bei ihr. Ich. Liebe. Catcalling. Und hasse Bodyshaming. Und selbst wenn ich dick wäre. Voll egal. Hauptsache ich fühle mich wohl. Und so chille ich. Auf Nurias Schoß. Bella Ciao. Am Tag der Einheit.

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