Ich hasse Socken und Heavy Metal – und mosche trotzdem zu AC DC

Es dünkt mir: Das ist kulturelle Aneignung der kulturellen Aneignung. Oder so. Dass ich Socken tragen muss an meinen Pfoten, auf denen dann ein Kater zu sehen ist, der nicht nur Klamotten anhat, sondern auch noch E-Gitarre spielt. Wie weird.
Menschen – die eindeutig ärmsten Lebewesen auf dem Planeten, da sie sich wie keine andere Art sonst gegenseitig vernichten wollen – ziehen einem anderen unterdrückten Geschöpf, einem Kater, Strümpfe an, die dann auch noch einen Kater in Menschenpose zeigen. Kulturelle Aneignung durch Kater? Durch mich? Oder durch sie? Oder von allen?
Obwohl, ich kann ja nix dafür. Alles menschengemacht. Denke ich so. Und spüre den Kontrollverlust. Denn auch wir Kater sind ja Opfer. Die der Menschen. Die sich nun mit uns an den Füßen schmücken. Häh? Sicher ist: Ich hasse Socken. Eng. Ich hasse E-Gitarre. Laut. Und fahre meine Krallen aus.

Wie abgefuckt – sorry, aber das Wort beschreibt es am besten – Menschen sind, zeigt sich auch mal wieder besonders krass im Amerika von US-Präsident Trump. Da wird im Bundesstaat Ohio im Wahlkampf für die in anderthalb Wochen anstehenden Zwischenwahlen eine Schmutzkampagne geführt, wie sie dreckiger nicht geht.
Der republikanische Gouverneurs-Kandidat namens Ramaswamy hat nun die Mutter seiner demokratischen Konkurrentin Amy Acton ausfindig gemacht. Die hasst ihre Tochter. Seit die vor Jahrzehnten zur Polizei ging, um ihren Stiefvater wegen sexuellen Missbrauchs anzuzeigen. Seit der Anklage habe sie ihre Mutter, die das Sorgerecht verlor, nicht mehr gesehen. Sagt Amy. Das alles hatte sie auch in der Öffentlichkeit nie verheimlicht.

Ihr Bruder bestätigt, Amy sei als Zwölfjährige missbraucht worden. Der Stiefvater sei verhaftet worden, die Mutter sei aber mit dem Vergewaltiger bis zu dessen Tod verheiratet geblieben. Nun, die Mutter erzählt in dem Wahlkampf-Video des Republikaners Ramaswamy, ihre Tochter sei krank, habe immer gelogen und dürfe keinesfalls gewählt werden.
Selbst einigen Republikanern ist dieses Video too much. Aber der US-Präsident findet es cool. Sagt, es sei ein Volltreffer, die beste Werbung. Es sei wichtig, dass die Mutter einer unehrlichen und unfähigen Kandidatin, die erkläre, was für eine Katastrophe ihre Tochter sei, gehört werde. Und dann macht Trump seine Parteifreunde nieder, die da mehr Skrupel haben. Und behauptet, die Wahrheit müsse ans Licht kommen.


Puuh, ich spüre, wie meine Krallen die Socken durchbohren. Kulturelle Aneignung oder nicht. Socken an den Pfoten oder nicht. Irgendwie alles Luxusdebatten. Angesichts dieser unfassbaren Trump-Geschichten. Verwerflich, verwerflicher, Mensch. Denke ich so.

Und weiß, manchmal hilft ja auch Lärm gegen Aggression. Und Frust. Also, ich werfe die E-Gitarre an. T.N.T. von AC DC. 50 Jahre alter Heavy Metal-Hit über explosiven Sprengstoff. Ich schwenke meinen Kopf. Schnell. Die Socken zerreißen. Tut gut. Im stumpfen Takt der E-Gitarre. Sagt der moschende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tanzt wild. Und chillt, Leute!
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