Insomnia: Meine Nuria schlaflos in Palermo

Schlaflosigkeit: Für mich absolutely unvorstellbar. Ich lege mich hin. Und bin sofort weg. In paradiesischen Welten. Fernab von Krieg, Mensch, Coco, Felix und Fliegen, die ich nie erwische – im Traum aber schon.
Menschen aber haben mit dem Schlaf so ihre Probleme, ein Drittel der Deutschen klagt über Insomnia. Und ich denke so: kein Wunder. Bei dem Stress, den Menschen sich immer selbst machen. Ihren Selbst-Optimierungsdruck. Selbst der Schlaf muss top sein. Um dann das Optimum leisten zu können. Und natürlich, um länger zu leben.

Gar nicht so neu, aber doch voll krass: Eine Uhr, die misst, wie gut man schläft. Schlafen also für ein gutes Ergebnis auf der Uhr? Und ich frage mich, wie man bei solchem Druck noch gut schlafen kann? Ich schlafe, weil ich schlafe. Ich chille beim Schlafen. Ich schlafe beim Chillen. Punkt. Kralle drauf.
Meine arme Nuria gehört zu jenen, die Probleme mit Schlaf haben. Schlaflos in Palermo. Denke ich so. Und eigentlich ist es klar, dass es so ist: Diego verlässt sie heute. Braucht Urlaub. Und jettet nach Marseille, um dann bei Montpellier Ruhe zu finden.
Und ja: Wie ich das beschreibe, das klingt zynisch. Und ja: Ich bin es auch. Und ja: Weil ich neidisch bin. Und ja: Neid ist nicht nice. Und ja: Dagegen bin ich nun mal machtlos. Und ich muss mir also einimpfen: Mein Berliner Revier ist das beste Chill-Paradies. Viel besser. Als Montpellier. Oder Palermo.


Zurück zu meiner Nuria: Die nun allein in Sizilien zurecht kommen muss. Fremde Sprache. Fremde Menschen. Fremde Uni. Kein Charlie. Kein Diego mehr. Dass einem da abends der Kopf schwirrt und Schlaf unmöglich ist – verständlich.
Und so gebe ich mal Felixens Einschlaf-Empfehlung weiter, die 4-7-8-Methode: 4 Sekunden ruhig einatmen, den Atem anhalten und bis 7 weiter zählen, dann 8 Sekunden langsam ausatmen – und wiederholen … Man muss eben nur zählen können. Denke ich so.
Hach, dieser Kult um Schlaf. Klar, er ist wichtig: Hilft beim Regenerieren des Hirns (An alle Trumps der Welt: Schlaft!!!), beim Stärken von Herz, Kreislauf und des Immunsystems, beim Reparieren von Muskeln, kurz: Schlaf ist eine coole Medizin.

Was mir aber so auffällt: In meinem Umfeld sind es nur Weibchen, die über Schlafprobleme klagen, neben meiner Nuria Laura, ihre Schwester Beatrice, Oma Lotte und Tante Dörte. Die Männer behaupten alle: „Ich kann immer schlafen.“
Oder, frage ich mich so, geben sie es nur nicht zu, dass es da Probleme gibt? Weil es ein Zeichen der Schwäche sein könnte? Denn: Warum nutzt Felix die 4-7-8-Methode? Don’t know. Klar ist: Wer das Ziel hat, seinen Schlaf zu perfektionieren, muss scheitern. Und das kann dann sogar Schlafangst auslösen.
Die Psychologin Stephanie Romiszewski sagte jüngst der Süddeutschen Zeitung: „Menschen, die sehr gut schlafen, tun meistens nichts bewusst dafür. Sie schlafen einfach.“ Auf jeden Fall dürfe man erst ins Bett gehen, wenn man müde sei.

Hach, wie gerne würde ich mich einfach fett und breit auf meine schlaflose Nuria kuscheln. Auf ihrem Balkon in Palermo. Und sie dann in den Schlaf chillen. „Jedes Kind kann schlafen lernen“, zitiert Felix den Titel eines Buchs, das Laura und er einst bei Diego anwandten, der nächtelang durch schrie.
23 Jahre später schläft Diego gut – in Frankreich. Gut schlafen lernen könnten auch alle Erwachsenen, auch Nuria. Mit meiner Hilfe. Sagt der müde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entspannt euch. Und chillt, Leute!
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