Ein weiser Opa kämpft gegen die AfD-Parolen von Taxifahrern

Die kleinen Kämpfe sind wichtig. Wichtiger manchmal als die großen Worte. Von Kanzlern und Präsidenten. Und so schaue ich bewundernd auf den Opa meiner Nuria und seine Kämpfe, die er regelmäßig drei Mal die Woche ficht. Mit den beiden Taxifahrern, die ihn zur Dialysestation chauffieren. Und die beide stramm auf AfD-Kurs segeln. Die beide die Rechtspopulisten loben. Und die sogenannten Altparteien verdammen. Und Opa Volker: Hält dagegen. Mit Argumenten.
Mutig. Denke ich so. Könnten ihn ja auch unterwegs einfach mal rausschmeißen. Den aufmüpfigen alten Mann. Tun die Taxifahrer aber nicht. Sie hörten zu. Sagt Opa Volker. Beispielsweise als er erklärt, dass beileibe nicht zu viele Migranten in Deutschland lebten – und ihre Abschiebung bedeuten würde, dass der Ärzte- und Facharbeitermangel noch größer würden.
Als er erklärt, dass die Rentenbeiträge natürlich nicht direkt für einen selbst eingezahlt würden – sondern es einen sogenannten Generationenvertrag gebe. Die Jungen also für die Alten zahlten. Als er erklärt, dass es derzeit nur günstiges Gas und Öl aus Russland geben könnte, wenn zugleich die Unterstützung für die Ukraine abgegeben würde – was dann wiederum die Gefahr berge, dass Russland auch Nato-Staaten angreifen könnte.

Als er erklärt, fast die ganze Wissenschaft sage, der Klimawandel sei zum großen Teil menschengemacht. Seit der Industrialisierung sei der für den Treibhauseffekt verantwortliche CO2-Ausstoß um mehr als 50 Prozent gestiegen, weil Menschen Öl, Gas und Kohle verbrennen sowie Wälder abholzen.
Natürlich wisse er, dass die Taxifahrer seine Einlassungen vielleicht mit genervten Schulterzucken quittierten. Sagt Opa Volker. Aber gestern habe ihn der eine Taxifahrer gefragt, ob er ihm mal einen Artikel schicken könne, in dem was über den Klimawandel stehe. Was Opa Volker sofort machte.
Also genau der Weg, wie es laufen sollte. Denke ich so. Während ich mit Coco fighte. Um ein kleines Leckerli. Und verliere. Nun: Es ist gut, wenn Menschen mit Menschen reden. Argumente austauschen. Es kann fruchten. Verschiedene Blickwinkel. Abzugleichen. Meine Nuria besucht ihren Opa Volker. Schwärmt begeistert: Dieser sei nun richtig weise.

Sei auch dabei, seine Erinnerungen ans Leben aufzuschreiben. Um zu zeigen, wie es mal so war. Und zu erzählen, dass der Zweite Weltkrieg mit den mörderischen Nazis noch gar nicht so lange her ist. Und ich denke an die Taxifahrer, merke: Kein Kampf ist umsonst.
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