Wenn das Paradies zur Hölle wird: Cap Ferret brennt

Ein defektes Auto kann ausreichen, ein Paradies in wenigen Stunden zur Hölle zu machen. Der Ort, das Cap Ferret an der französischen Atlantikküste, an dem meine Bruna noch vor wenigen Tagen das Leben feierte, brennt. Sie ist dem Feuer zusammen mit ihren Eltern Felix und Laura an dem Tag entkommen, als alles begann.
Vermutlich war kurz zuvor ein Lieferwagen auf einer Landstraße in Brand geraten – und die Flammen griffen sofort auf die Bäume über. Und so ist da, wo an den Stränden und auf den Wellen, in den Bars und Restaurants, Zehntausende Sport, Surfen, Sonnen, kurz: Dolce Vita genossen, nun Leere.

Touristen und Einheimische werden mittlerweile evakuiert, einige mit Schiffen. Urlauber müssen ihre Wohnmobile auf den Campingplätzen stehenlassen – und hoffen. Es brennt mittlerweile eine Fläche, die drei Mal so groß wie Paris ist. Wenn die Winde schlecht stehen, muss eventuell gar die Großstadt Bordeaux evakuiert werden – 30 Kilometer ist die Feuerfront nur noch von ihr entfernt.
Schwarz-orangenfarbene Rauchwolken verdüstern die Sonne und vergrauen das Meer. Überall ätzt Brandgeruch. Das Zirpen der Zikaden ist dem grausamen knackendem Geräusch der Flammen gewichen.

Die Vermieterin meiner Leute in Lacanau Ocean, Veronique, schreibt an Laura, sie finde nicht die richtigen Worte für das Entsetzen. Ihr Herz stehe still. Schock. Es sei so unermesslich dramatisch. In Nachbarorten seien schon einige Häuser abgebrannt. Die Feuerwehr leiste aber hervorragende Arbeit.
Und ich glaube, ich kann ihren Horror ein stückweit nachvollziehen. Etwas Unvorstellbares ist eingetreten: Plötzlich wird die Lebensgrundlage, die Existenz weggezogen. Und man ist vollkommen machtlos dagegen. Die Feuerwehr erklärt, der Wind sei zu stark, man könne nur abwägen, was eventuell gerettet werden könne – und was nicht.
Und so brennen eben auch Häuser ab. Auch edle Holzhäuser an einem See, an dem meine Leute noch vor einer Woche nach ihrer Radtour fröhlich mit Touristen badeten. Den Pinienduft einsogen. Und schwärmten: Nur Sonne, wie schön.

Ein Paradies brennt. Wird zur Apokalypse. Was ihre Surflehrer Etienne und Lea nun machten? Fragt meine Bruna bang. Die Surfschule schreibt auf Instagram, sie sei geschlossen. Meine Bruna weiß, die Angestellten wohnen in der Gegend. Es ist nicht nur das Jetzt, was da zerstört wird, denke ich so. Womöglich auch die Zukunft.
Wenn die Pinien- und Kiefernwälder abgebrannt sein sollten. Wenn wegen des Klimawandels Großfeuer im Sommer zur Regel werden. Und Touristen die Gegend meiden. Fürchterlich ist es auch für die Tiere in den Wäldern. Rehe, Füchse, Wildschweine und Schwarzmilane – wohin sollen sie?

Es gibt Filme von vor dem Inferno über die Straße fliehenden Pferden, deren Ställe geöffnet wurden, damit sie flüchten können. Es gibt Fotos von verrußten Katzen, gerettet von Feuerwehrleuten.
Es brennt nicht nur in Frankreich. Auch in Spanien, auf Sizilien, in Griechenland. Apokalypse. Und schon ist das Paradies die Hölle. Sagt der entsetzte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid besonnen. Und chillt, Leute!
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