Hauptstadtkater

23. Juli 2026

Kater ist Kunst in Paris und die dreibeinige Katze im Impressionismus

Kater ist Kunst. Eigentlich nichts Neues. Für meine Leute offenbar schon. Sie sind ja nun mittlerweile in Paris. Spazieren durch das Museum D’Orsay. Lauter Impressionisten. Die auch Kater malten. Viele Kater. Wie die Alten meiner Bruna, Felix und Laura, überrascht bemerken. Nun, ob Manet, Degas oder natürlich der großartige Pierre Bonnard. Der nicht nur auf schwarze Kater steht, sondern offenbar auch auf mich. Wenn man der KI trauen darf. He, he. 

Nun, die Alten Felix und Laura gehen ganz auf in ihrem Dozententum für meine arme Bruna. Und palavern: Mit Aufkommen der Fotografie Ende des 19. Jahrhunderts hätten die viele Künstler versucht, sich davon abzusetzen und nicht mehr die Realität detailgetreu nachzubilden. Denn das habe die Fotografie ja perfekt beherrscht. Vielmehr sei es ihnen darum gegangen, einen flüchtigen Moment wiederzugeben, Stimmungen von Licht und Atmo – möglichst mit leuchtenden und hellen Farben. 

Heute schieben sich an den Meisterwerken der Impressionisten in dem Museum täglich Tausende Menschen vorbei. Das Absurde: Die meisten scheinen sich gar nicht für die Seerosen oder Balletttänzerinnen zu interessieren. Erzählt zumindest Felix.

Die Leute versuchten, irgendwann in die erste Reihe zu kommen, zückten ihr Handy. Und fotografierten dann das Gemälde. Um dann direkt auf die nächste Ikone zuzusteuern und sie abzulichten. Manche Besucher machten Selfies vor den Werken. Oder stellten ihre Frauen – oder Kinder – vor die Werke, die dann die graziösen Bewegungen der Balletttänzerinnen Degas nachahmen sollten. Fürs Foto. Oder manchmal auch das Video.

Nach dem Motto: Hauptsache die Ikone ist auf dem eigenen Handy. Fragt sich, wer das anschauen soll… – denke ich so. Zumal die Bilder auf der Webseite des Museums und in jedem Katalog hochwertig abgebildet sind. 

Strange, nein cringe. Die Menschen. Denke ich so. Wahrnehmung ohne Handy, gibt es nicht mehr. Ist aber bei meinen Alten ähnlich. Meine Bruna erzählt von der Hofkatze des Hauses, in dem sie abgestiegen sind. Die Katze – von weitem – sehr süß. Sie locken sie an – fürs Handyfoto. Die Katze humpelt. Das linke Vorderbein fehlt. 

Von Ekel geschüttelt wenden sich Felix und Laura ab. „Armes Ding. Hat in diesem Großstadtdschungel keine Chance“, sagt Felix und steckt seine Handykamera ein. Und Bruna weiß, dass das Bullshit ist. Gibt der Katze Leckerli und streichelt sie.

Die Katze ist gepflegt, trägt sogar ein Halsband. Ist nur versehrt. Wie so mancher Mensch. Sagt der gekünstelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt Impressionisten. Und chillt, Leute! 

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