Kater-Schlichter im rechtsextremen Mecklenburg

Meine Bruna ist wieder da. Endlich. Meine Kater-Flüsterin. Die spürt, wie ich spüre. Wie ich ticke. Und genauso verstehe ich auch sie. Ihre Sorgen. Ängste. Probleme. Kurz: Zwischen uns, das ist die perfekte Symbiose. Fünf Tage war meine Bruna weg, mit ihrer Schulklasse in einer Jugendherberge an der Mecklenburger Seenplatte.
Das beste Schullandheim ever. Schwärmt sie hernach. Auch ohne mich, denke ich. Und wundere mich. Sehe dann aber meine Konkurrenz dort und akzeptiere: Die grünen Wiesen, Freundinnen, Werwolf, Aldi, Tischtennis, Sommerrodelbahn, Lagerfeuer: Das sei einfach perfekt gewesen, schwärmt meine Bruna. Fast. Wenn da nicht die Menschen wären. Die Aborigines…
Also zumindest jene Einheimische, die rechtsradikales Gedankengut pflegen. Und damit Vorurteile vom offen rechtsextremen Osten Deutschlands zu Urteilen aufblühen lassen. Denke ich so. Als ich die Storys meiner Bruna höre.
In einem Döner-Laden, erzählt sie, hätten neben ihnen zwei Frauen rumgekeift. Die eine so: Früher hätten die Döner hier viel besser geschmeckt. Die andere: „Ja, Döner können die Türken einfach nicht. Genauso wenig, wie sie sich hier anpassen können.“ Ein Klassenkamerad meiner Bruna mischt sich ein, sagt: „Aber die Döner kommen doch aus der Türkei.“ Woraufhin ihn eine der Frauen anblafft: „Halt bloß Deine blöde Schnauze. Kommst wohl nicht von hierher. Wir können auch vor die Tür gehen, dann kriegst du einen auf die Fresse.“
Puh, denke ich so. Kuschle mich an meine Coco. Sie sich an mich. Wir hassen, wir lieben uns. Aber selbst in schlechten Zeiten respektieren und achten wir uns. Denke ich so. Und werde fast ein wenig melancholisch. Hach, die Frauen dort bräuchten einen Schlicht-Kater – wie mich.
Und ich höre weiter, dass meine Bruna und ihre Klassenkameraden an einem Sportplatz vorbeikommen, wo gerade ein Fußballspiel läuft. Mehrere Jugendliche – offenbar aus dem Dorf – hätten sich vor ihnen aufgebaut – und dann gefragt: „Hey, ihr seht ja ziemlich links aus, seid ihr das auch?“ Sie hätten geantwortet: „Wir sind neutral.“ Und die Dorf-Jugendlichen so: „Gut für euch.“
Mich fröstelt. Ob der offen zur Schau getragenen rechtsextremen Ideologie und den Drohungen. Den offen ausgesprochenen Einschüchterungsversuchen. Und ich merke mal wieder: Kuschelt. Um Stärke zu entwickeln. Ich nehme vorlieb mit Coco. Die wirklich weich sein kann. Und zart. Und zugewandt. Sagt der schlichtende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wehret den Anfängen. Und chillt, Leute!
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