Hauptstadtkater

8. April 2026

Chill das Leben und Trumps Iran-Waffenstillstand

Ich habe alles. Leckerli, meine Bruna, Lachs in Sauce, Sonne. Und vor allem: Zeit, Chill-Zeit. Das ist das Wichtigste: Um dann entspannt auf das Leben zu blicken. Und zu sehen: Eigentlich ist mein Dasein ziemlich gut. So wie es ist. Und allein diese Erkenntnis bringt weitere Wellen der Entspannung.

Die sich über den Stress legen, den meine Leute so abstrahlen. Ob ihrer ständigen Bewegung. Unruhe. Unzufriedenheit. Und ich frage mich so: Why? Nie zuvor ging es Menschen doch so gut – was Wohlstand, Freizeit, Life-Work-Balance angeht. Alles da, vom Bio-Essen über Markenklamotten, i-phone, Rennrädern, Urlauben – eigentlich also ein Top-Zustand.

Es reicht ihnen nicht. Und ich weiß, warum: Ihnen fehlt Chill-Zeit. Vielleicht dazu noch eine Prise mehr Anerkennung und Empathie anderer. Um ihr Glück zu erkennen. 

Meine Bruna, meine Nuria, Diego und ihre Bubble aus der Generation Z haben wirklichen Mangel nie kennengelernt. Denke ich so. Und: Wer etwas nicht kennt, kann kaum nachvollziehen, wie es ist, als etwas noch nicht da war. Ich spüre Coco. Die schon wieder an meinem Schweif knabbert. Und es – anders als ich – nicht kennt, Einzelkatze zu sein. Wie herrlich das sein kann. Zum Gewinnen von mehr Chill-Time.

Nun, der Opa meiner Bruna erzählt, dass in seiner Kindheit in den 40er Jahren im und nach dem Krieg die Menschen froh waren, genug zum Essen zu bekommen. Seine Eltern in der kleinen Bergarbeiterstadt Lautenthal im Harz sei das gelungen, obwohl da gleich fünf Jungs waren, die hungrig waren, erzählt Opa Volker.

Was auch daran gelegen habe, dass sein Vater als Lehrer  – neben Arzt, Pastor und Polizist – zu den angesehensten Leuten des Ortes gezählt habe. Die auch leichter an Essen rankamen. Die schönste Abwechslung sei gewesen, die Kinder des Arztes zu besuchen – in deren Stube sei eine elektrische Eisenbahn aufgebaut gewesen, sagt Opa Volker. Die zu beobachten – ein Highlight.

Und ich sehe, wie viele junge Menschen sich heute ablenken, mit Blick aufs Handy, TikTok und Insta. Wisch und weg. Immer wieder. Leere. Allerorten. 

Die auch so konditionierte kurze Aufmerksamkeitsdauer von Menschen nutzt auch US-Präsident Trump. Der stündlich neuen Schwachsinn via soziale Medien abfeuert. Der ob der Schnelligkeit gar nicht mehr hinterfragt, geschweige denn analysiert werden kann. Und von seinen Apologeten hysterisch verlangt wird.

Gestern drohte Trump der iranischen Führung, die Zivilisation des Landes auszulöschen. Wenig später steht ein zweiwöchiger Waffenstillstand zwischen Iran und den USA samt Israel.

Und ich denke so: Trumps martialischen Drohungen sind so widerwärtig. So leicht als bloße Gebärden zu durchschauen. Mit denen dieser Typ maximalen Druck ausüben will. Um einen für sich guten Deal auszuhandeln. Ob er in diesem Fall gut ist – keine Ahnung. Details sind unbekannt.

So chille ich weiter. Auf der Zeitung. Weich und raschlig. Und denke so, dass der Generation Z nicht verübelt werden kann, ihren hohen Lebensstandard nicht angemessen zu würdigen. Weil sie es nicht anders kennt. Bisher. Sagt der melancholische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt euer Glück. Und chillt, Leute!

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