Schaut auf diese Kater oder Ode an die Entschleunigung

Kurios, schrill, lustig, überraschend – und vor allem kurz und schnell vermittelt müssen Inhalte sein, um heute noch wahrgenommen zu werden. In einer Welt, in der Online-Plattformen wie TikTok und Instagram den unruhigen Takt vorgeben. Und in der ständig neue Skandale, Kriege, Konflikte oder auch Trends hyperventiliert werden. Seh- und Lesegewohnheiten wie auch Inhalte verändern sich rasant.
Was nicht wirklich gut ist, denke ich so: Denn vieles wird nicht mehr gesehen. Weil einfach die Zeit und die Geduld fehlen. Die für Erkenntnis und Erkennen unabdingbar sind.

Womit ich wieder mal bei mir bin. Und Coco. Und unseren Artgenossen. Den Meistern des Abwartens. Der Geduld. Ohne die wir nie etwas fangen würden. Keine Fliege am Küchenfenster. Geschweige denn eine Maus draußen. Denn Erfolg ist uns nur gegönnt, wenn wir lange genug gewartet haben, um den perfekten Moment für den Kill anzusetzen.

Kurz, mein Appell: Mensch, schaut auf eure Katzen. Und Kater. Ohne Entschleunigung keine Beschleunigung. Denke ich so. Und sehe neue Menschen in meinem Revier. Die Großeltern meiner Bruna, Volker und Lina. Old school sind sie. Haben Geduld. Mit uns und unseren Ängsten. Vor dem Fremden. Und wir – tasten uns langsam vor. Nähern uns an. Und springen dann. Als sie die Leckerli auspacken.


Einer, der mit der Geschwindigkeit spielt, sie für sich ausnutzt, ist – wie könnte es anders sein? – trotz seines Alters US-Präsident Trump. Im wilden Staccato haut der mittlerweile 79-Jährige eine Ungeheuerlichkeit nach der anderen in die Welt hinaus – ob es nun neue Zölle sind, Grönland-Annexion, Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro, Abqualifizierung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj oder Huldigung des Kremldespoten Putin.
Es bleibt keine Zeit zum Lamentieren, geschweige denn zu Faktenchecks. Und wenn sie doch mal gemacht werden, können auch diese Checks gar nicht mehr wahrgenommen werden. Weil sie schon kein Thema mehr sind. Nicht mehr interessieren.

Ruhe also ist das oberste Gebot. In dieser atemlosen Welt. Was in der Natur gelingen kann. Haben meine Alten im Kino mit dem Dokumentarfilm „Flüstern der Wälder“ miterlebt. Beispiele gefällig?
Erst nach langem Beobachten eines Baums werden nach und nach die Konturen eines Uhus sichtbar, der kaum von der Rinde zu unterscheiden ist. Um einen Luchs zu sehen, braucht es extrem viel Geduld. Wie auch für Hirsche. Und der kleine Zaunkönig mit seinem Gesang kann endlich gewürdigt werden – als weiteres Wunder der Natur. Ein Symbol für die Hoffnung.
Und ich? Habe Vertrauen zu Volker und Lina. Spüre ihre Ruhe. Spüre Plus Aura. Beziehungsweise Chillfaktor zehn von zehn. Sagt der entschleunigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt Langsamkeit. Und chillt, Leute!
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