Hauptstadtkater

5. Februar 2026

Ich mag keine Überraschungen und der überraschte Diego

Ich liebe Überraschungen. Nicht!!! Menschen lieben Überraschungen schon. Für sie sind Überraschungen die Würze ihres oft so trüben Daseins. Die sie herausreißen aus dem Alltagstrott. Des Immergleichen. Absehbaren.  Besonders lieben sie es, an Geburtstagen zu überraschen. Und der arme Jubilar – muss dann so tun, als ob er sich freute. Denke ich so.

Heute beispielsweise wollte meine Nuria Diego zu dessen 23. Geburtstag erfreuen. Und reiste aus Freiburg zu meinen Lieben nach Österreich. Hatte ihnen aber zuvor vorgegaukelt, wegen vieler Prüfungen an ihrer Uni nicht kommen zu können. Nun taucht sie mit Helm und Tuch verhüllt plötzlich neben Diego auf der Skipisten auf. Umarmt ihn. Gratuliert ihm. Und er – komplett baff – erkennt erst beim zweiten Hinschauen, wen er da vor sich hat: Meine Nuria. 

Ich bin da nicht so subtil. Ich weiß, was ich will: Keine Überraschungen, aber dafür Würstchen. Und ich weiß, was ich nicht will: Dass mir Coco die Würstchen wegnimmt. Oder Überraschungen.

Und so tut mir Diego leid. Der sich nun freuen muss. Und pflichtschuldig strahlt, als er meine Nuria dann erkennt. Damit diese sich freut, dass ihre Überraschung gelungen ist. Und sie eine Rechtfertigung hat. Auch Skifahren zu können. Ach, ihr Menschen, so leicht durchschaubar. Denke ich so.

Überraschungen bringen Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist derzeit eine der höchsten menschlichen Währungen. Allein heute bleibe ich an drei weiteren Themen hängen, weil sie mich überraschen: Nummer eins: US-Präsident Trump sagt, dass seine brutalen und maskierten Bundesbeamten der ICE-Einwanderungsbehörde bei ihren Einsätzen etwa in Minneapolis „sanfter“ vorgehen sollten. Trump und sanft?

Nummer zwei: Diebe schicken ihre Beute zurück an die Opfer – offenbar wegen schlechten Gewissens.  Zuvor hatten sie dem norwegischen olympischen Skispringerteam die Ausrüstung gestohlen. Der Trainer jammerte, es seien persönlich designte Helme, Mützen, Jacken, Brillen. Nun kam ein Paket mit dem Diebesgut zurück. Diebe mit schlechtem Gewissen?

Nummer drei: In Island bekam ein Busfahrer eine Maut-Rechnung, nach der er knapp 140.000 Euro bezahlen soll. Weil er er im Januar 999.961 Kilometer gefahren sein soll. Das aber würde bedeuten, er wäre in 31 Tagen 25 Mal um die Erde gefahren. Um das zur schaffen hätte er schneller als der Schall sein müssen: 1.343 Stundenkilometer. 

All das Überraschende – unterhaltsam, manchmal sogar witzig für die Nicht-Betroffenen, denke ich so. Aber meist ganz schön anstrengend für die Betroffenen.

Und dann überrascht Coco – also nicht mich, sondern Laura, die als einzige meiner Sippe nicht in Österreich, sondern bei mir ist. Und eben das belohnt Coco: Sie sitzt im Waschbecken und fischt aus dem Abfluss ein krasses Bündel Haare. Womit die Barriere weg ist – und das Wasser wieder abfließt.

Laura freut sich ob der Überraschung. Will Coco streicheln. Und tritt dabei mich. Weil sie nur Augen für Coco hatte. Sagt der überrascht umüberraschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Gratuliert dem überraschten Diego. Und: Chillt, Leute! 

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