Coco in the box im Keller des Kellers

She is living in a box. Baby. Da, wo Coco ist, wäre auch ich gerne. In diesem Karton. Voll chilly. Aber es gibt nur diesen einen Karton. Und irgendwie hat Coco es geschafft, ihren immensen Körper da reinzuwuchten, bevor ich da reinhüpfen konnte. So dass ich – warten muss. Lange warten muss.
Ich aber hasse Wartezeiten. Und bedauere meine Leute in Austria. Die davon erzählen, dass sie ständig warten. Müssen. Bei ihren Skitouren. Wenn sie auf die Berge hochgondeln. Und dabei lauschen müssen, was die eng an sie gequetschten Leute so quatschen. Zum Beispiel zwei Middle-Age-Frauen. Die von ihren Depressionen erzählen. Ausgelöst natürlich: Durch Männer. Und ich denke so: Besser also, schwule Frau zu sein?

Und sehe Coco. Wie sie weiter vor mir im Karton chillt. Kokett. Und ich fühle eine riesige Leere in mir aufsteigen. Während meine Leute weitererzählen. Von der einen Frau, die nun gesagt habe, sie sei vor sechs Monaten verlassen worden von ihrem Jens. Und da, ja da sei sie in einen Keller gefallen. Fürchterlich.
Aber da, da habe sie auch noch nicht gewusst, dass es einen Keller unter einem Keller geben könne. Der sich kürzlich geöffnet habe. Als Jens wieder ankam. Sie die Nacht mit ihm verbrachte. Um abermals verlassen zu werden. Und dann aus dem Keller in den Keller darunter fiel.
Nächste Wartezeit meiner Leute, wenig später in einem Sechser-Sessellift: Die beiden Jungs neben ihnen seien das Gegenteil im Vergleich zu den Frauen gewesen. Erzählen meine Leute. Die beiden Jungs also hätten geschwärmt, sie erlebten im Skiurlaub alljährlich den Flow im Flow. Skifahren sei schon Glück pur. Aber das Feeling beim Skifahren zu verstärken, durch Gras und Alkohol. Das sei nicht zu toppen.


Der Flow im Flow. Vor allem, wenn dann alle Fenster der Gondel abgeriegelt würden. Und man vor lauter Cannabis-Dämpfen nichts mehr sehe. Die Gondel – eine Hot Box. Und ich sehe Coco. In ihrer Box. Hot und cold zugleich. Irgendwie. Aber sie bleibt in der Box liegen. Und für mich führt die Rolltreppe abwärts. In meinen virtuellen Keller des Kellers.
In dem sich morgen wohl auch so einige Menschen in Deutschland wiederfinden werden. Wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwohin wollen. Weil die bestreikt werden – es geht um mehr Geld. Naturally.
Allerdings: In Berlin fahren trotz Streiks einige Straßenbahnen weiter. Werden allerdings an den Haltestellen nicht stoppen und auch nirgends Fahrgäste reinlassen. Denn die Bahnen sind nur unterwegs, damit die in den vergangenen Tagen mühsam aufgetauten Oberleitungen nicht wieder einfrieren. Für die Oberleitungen also fahren die Bahnen. Denke ich so.


Und erkenne kein Zeichen des Erbarmens von Coco. Die bleibt liegen. In ihrer Box. Und ich gehe zum meinem eigenen Gras. Katergras. Tut so gut. I‘ m flyin’ high. Auch ohne Box. Sagt der labile Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht euren Keller. Und chillt, Leute!
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