Hauptstadtkater

31. Januar 2025

Der vereinsamte Nicht-Einzelgänger und der Klimawandel

Ich bin kein Einzelgänger. Und trotzdem lassen mich meine Leute alleine. Nahezu alleine jedenfalls. Reisen ab. In kalte, schneeige Gefilde, um Ski zu fahren. Sagen sie. Und reisen aus dem eisigen Berlin ins frühlingshafte Österreich. Was sie da machen? Wandern – auf graue Berge. Handstand machen auf einem Jäger-Hochsitz. Mit freiem Oberkörper, so warm ist es.

Während ich in der Kälte meines Berliner Reviers. Auf der Fensterbank fröstele. Auf den verschneiten Innenhof blicke. Und spüre, wie der eisige Wind reinzieht durch die Spalten. Während Coco irgendwo chillt. Im Bett meiner Bruna. Auch allein. Alles verkehrt. Irgendwie.

Meine Leute reden viel vom Klimaschutz. Vom Umweltschutz. Und fahren dann mit einer Dreckschleuder fast 1000 Kilometer nach Österreich. Wo ihre einst weißen Skipisten. Jetzt nur graue Farbe erlangen, weil Schnee nicht mehr fällt. Und dafür die Schneekanonen unermüdlich weißes Gold in die krassen Schneisen der Berge – sogenannte Pisten – einschießen.

Während viele alteingesessene Einwohner stöhnen. Ob des allwöchentlichen Andrangs in ihre Täler. Nicht nur immer mehr Deutsche, Polen, Niederländer. Nun auch viele Chinesen – und zunehmend auch wieder Russen. Over Tourism eben. Stöhnen sie. Auch wenn sie profitieren.

Meine Bruna erzählt, der Skiverleih, in dem sie seit zehn Jahren ihre Ausrüstung holt, mache nächstes Jahr dicht. Obwohl der Laden birst vor Skiwütigen. Das Problem: Es gebe kein Personal mehr. Habe die Chefin gesagt. Diejenigen, die es vergangene Saison gemacht hätten, kämen nicht wieder. Sagten, zu stressig. Die Alternative: Osteuropäer einstellen. Das wolle sie aber nicht. 

Was für Probleme. Denke ich so. Während in der Ukraine der Strom ausfällt. Nicht mehr nur allein wegen der fortgesetzten russischen Bombardements. Jetzt wurden auch noch zwei Stromleitungen getrennt, durch die die Ukraine mit Moldau und Rumänien verbunden war.

In Berlin dagegen gibt es wieder andere, „existenzielle“ Probleme: Spikes für Schuhe sind ausverkauft. Damit können keine alten Leute mehr raus. Weil die Fußwege seit Wochen lebensgefährlich glatt sind. Weil die Stadt es nicht schafft, das Eis zu entfernen. Und der Regierende Bürgermeister zwar – anders als beim Stromausfall – nicht Tennis spielen geht. Aber seine letzte Idee zur Hilfe auch geradezu absurd spät kommt: Nun schlug er vor, die Erlaubnis für den Einsatz von auftauendem Streusalz zu geben.

Und da hätte ich eine Idee: Die Katzen und Kater der Hauptstadt rmüssten raus. Um zu helfen, beispielsweise beim Einkauf. Haben sie doch natürliche Spikes. Mit ihren Krallen. Aber: Uns niemand ja eh keiner ernst. Und so müssen sie eben weiter leiden. Die Menschen. Sagt der vereinsamte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Besucht mich. Schreibt mir. Aber vor allem: Chillt, Leute. 

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