Hauptstadtkater

26. Januar 2026

Wie den USA ihr eigenes Grönland erwächst und ich Wärme finde

Warm ist wichtig. Mehr als wichtig. Existentiell. Für mich. Und meine Spezies. Vor allem, wenn es draußen so bitter kalt ist wie derzeit. Und der Glanz des Eises das Grau der Wolken in mein Revier reflektieren lässt. So dass ich fröstelnd in die Küche schreite. Und den Platz der Plätze erspähe: Eine old school Zeitung, die  – absolut einladend – ausgebreitet auf dem Boden liegt.

Ich liebe dieses wärmende Kuschelpapier. Und sehe, dass dadrauf dann auch noch ein Foto meines Lieblingshass-Menschen prangt: US-Präsident Trump. Passt. Denke ich so. Und spüre, wie mein Blut in Wallung gerät, als ich mich darauf platziere. 

Die Wärme durchströmt mich. Wohlig. Als ich mich face-to-face zu Trump und seinem Vize JD Vance begebe. Die doch so unbedingt das von Dänemark kontrollierte Grönland haben wollen. Die arktische Insel mit dem ewigen Eis. Und ich frage mich, warum?

Denn mittlerweile haben die USA ihr Grönland – im eigenen Land. Von Texas im Süden bis Michigan im Norden herrscht Ausnahmezustand – wegen krass viel Schnee und Kälte von bis zu minus 40 Grad. Ich sehe: Nicht mal Zuhause können die Trump-USA dem Winter trotzen. Eine Million Haushalte haben keinen Strom. Menschen sterben in der Kälte. Wie wollen die USA da Grönland verwalten? Wo es viel länger kalt ist. Frage ich mich so. 

Und sehe, dass es in Deutschland nicht viel besser läuft – bei viel weniger Schnee und deutlich höheren Temperaturen. Nun, meine Bruna stöhnt, weil sie heute vier Kilometer zur Schule laufen musste, weil die Straßenbahnen nicht fuhren – die Oberleitungen waren vereist und eingefroren. Sie sind wohl auch morgen noch nicht abgetaut.

Auch Laura bleibt keine Wahl – sie musste ebenfalls laufen, sechs Kilometer zur Klinik mit ihren psychisch kranken Jugendlichen. Gern hätte sie einen Uber oder ein Taxi gechartert – alle komplett ausgebucht. Wie auch die Miles-Mietwagen. 

Anderswo trotzen Menschen der Kälte ebenfalls. Die Russen bombardieren die Ukraine weiter – und da vor allem Energieanlagen. Trotz extremer Kälte und laufender Gespräche über einen Frieden. Zehntausende sitzen in Kiew, Charkiw und anderswo in ihren ungeheizten Wohnungen und leiden. Frieren.

Und in Minnesota in den USA gehen Menschen trotz Eiseskälte auf die Straßen und fordern den Abzug der Beamten der Einwanderungsbehörde ICE. Sie sind  – nach dem Tod eines bei einem ICE-Einsatz getöteten Krankenpflegers – fassungslos ob der Gewalt der Bundesbeamten. Und der Rückendeckung Trump für die brutale Einheit.

Und ich beiße in die Zeitung. In Trumps Kopf. Schmeckt. Aromatisch – wahrscheinlich Druckerschwärze oder so. Sagt der erwärmte Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Kuschelt Und chillt, Leute.

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