Cocos Badewannenfall und die GenZ

Coco ist die new Generation. Und vielleicht deshalb so anders als ich. Und meine Denkweisen. Nun, als Trendsetter der Jungen, ist sie ja geradezu verpflichtet, das Althergebrachte zugunsten des Fortschritts infrage zu stellen. Um herauszufinden, ob das Traditionelle noch gültig ist. Beispielweise, ob Katzen Wasser tatsächlich hassen.
Was ich bestätigen kann. Aber Coco so – spaziert über den Rand der Badewanne, betrachtet fasziniert die sich mit Wasser füllende Wanne – samt ihrem Spiegelbild. Um dann ihre Pfote ins Nass zu tauchen. Wieder und wieder. Macht ihr Spaß. Offenbar.

Die Sucht nach dem Neuen. Aufregendem. Erklärt für mich auch ihre Flucht aus unserem Revier. 40 Stunden auf dem Balkon. Analysiere ich so. Wahrscheinlich wollte sie zeigen, dass auch eine Baby-Stubenkatze draußen existieren kann. In einer Großstadt. In Kälte. Unabhängig. Ungebunden.
Und ich denke so: Ist ja schön und gut. Aber wer so agiert, handelt eben doch sehr auf sich selbst bezogen. Egozentrisch. Ohne auch nur einen Gedanken an die anderen zu verschwenden. Ob die wohl leiden könnten – mit einer strampelnden Katze in der Badewanne. Oder wegen einer plötzlich wie vom Erdboden verschluckten Katze. Wie die Nachbarinnen meiner Leute. Deren Augen tränten wie die von meinen Leuten. Und denen von ausgewachsenen Polizisten. Die alle auf der Suche. Nach ihr. Waren.

Cocos Verhalten erinnert mich an die Generation Z bei den Menschen – die heute 15- bis 30-Jährigen. Bei denen häufig auch das eigene Wohlbefinden, die Me-Time im Fokus stehen. So sehr, dass Beziehungen leiden. Räumt auch meine Nuria ein: „Viele meiner Leute wollen keine Verpflichtungen mehr eingehen“, moniert sie. Und streichelt mich.
Verabredungen seien locker, damit man sich jederzeit umentscheiden könne. „Und wer dann eine Stunde vor einem Treffen absagt und das damit begründet, er oder sie benötige Zeit für sich selbst – der oder die bekommt sogar Beifall. Für so viel Selbstwirksamkeit.“ Allerdings: Gastgeber von Partys grämten sich eben doch: Weil statt der 50 Eingeladenen nur die Hälfte komme. Ich schnurre. As schnurr can. Um meine Nuria zu beruhigen.

Coco rutscht vom Badewannenrand ins Wasser, das durch eine für ein Gesundheitsbad sich auflösende Brausetablette sprudelt. Sie paddelt as paddel can. Zunehmend verzweifelt. Panisch. Schnappt nach Luft. Will raus. Schafft es nicht. Wegen des durchnässten und dadurch schweren Fells.

Meine Nuria rennt herbei. Rettet sie. Und Coco schüttelt sich nun wie ein Hund. Und ich denke so: Auch wenn die Jugend das Privileg hat, alles ausprobieren zu dürfen. Die Gesetze der Physik setzt auch sie nicht außer Gefecht. Sagt der trockene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt badet. Ohne Katzen. Und chillt, Leute.
Schreibe einen Kommentar