Hauptstadtkater

9. Dezember 2025

Weltrekord? Kündigen macht Diego glücklich

A good day: Weil ich Konsequenz sehe. Die – wie so oft – zum Glück und zur Freiheit führt. Wie bei Diego: Der heute einen Weltrekord aufgestellt hat, nun gut, zumindest einen Familienrekord. So schnell kündigte noch nie jemand der unseren seinen oder ihren Job. Diego did it. Nur 14 Stunden nach der ersten Schicht reichte er heute seine Kündigung ein – emotionsloser Abschied vom Rad-Lieferdienst Flink. Und ich goutiere es.

Denn ich verstehe: Er will nicht ausgebeutet, überwacht, gedemütigt werden. Bei dann auch noch widrigen Bedingungen – und nicht nur wegen der schlechten Bezahlung. Sondern auch der Umgang ist mies: Während der Fahrten zu Kunden wird ihm ständig gespiegelt wird, wie langsam er ist. Das Gerät, auf dem ihm das mitgeteilt wird: Ist dann auch noch sein Privathandy.

Das sollte Diego sich nicht antun. Sondern mit mir chillen. Und futtern. Denke ich so. Während ich mich in den Schoß meiner Bruna einrolle. Und daran arbeite, Fett anzusetzen. Denn es ist kalt draußen. Und wird noch kälter. Und dagegen hilft eben nun mal nur: Speck. Und Fell. Und kuscheln.

Ein krasses Frösteln löst bei mir momentan eigentlich täglich mehrfach US-Präsident Trump aus. Der wiederholt so laut und oft, wie undemokratisch und verwahrlost Europa sei, dass selbst ich aufpassen muss, es nicht langsam zu glauben. Zumindest zu denken: Hat der Typ vielleicht doch ein bisschen Recht? Mit dem einen oder anderen Punkt? Natürlich nicht! Weise ich mich zurecht.

Aber es ist so krass, wie sein Gift der Lüge langsam wirkt und zersetzt. Denke ich so. Das Gift in mich fließt. Wie eine Impfung. Pro Trump. Aber: Garantiert mit schlimmsten Nebenwirkungen.

Wieder tönt der Typ, Europa entwickle sich in eine schlechte Richtung. Was auch schlecht für die Menschen sei. Die USA wollten nicht, dass sich Europa so verändere. Und ich frage mich: Wer verändert sich? Wie wollen die USA das verhindern? Und es gruselt mich. Sehr.

Denn mehrere Abgeordnete der rechtsextremen AfD sind – auf Steuerzahlerkosten – in die USA gereist, um sich mit Trumps Republikanern zu vernetzen. Von ihnen zu lernen. Wie man Demokratien delegitimiert. Und zerstört. Das Weiße Haus ermutigt die Rechtsextremen: In seiner vergangenen Woche vorgestellten überarbeiteten Sicherheitsdoktrin hatte das Weiße Haus geschrieben, Parteien fördern zu wollen, die in Europa gegen die alte Ordnung aufbegehren.

Puuuh, mir ist jetzt richtig eiskalt. Trotz des heißen Griffs meiner Bruna um meine Schnauze. Was hilft? Futtern. Kuscheln. Sich nichts gefallen lassen. Und standhaft sein. Sagt der konsequente Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kündigt. Für den good day. Und chillt euer Leben, Leute.

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