Hauptstadtkater

7. Februar 2026

Mein Existenzialismus und Nurias Träume

Ich weiß: Ich bin. Weil ich spüre. Mich spüre. Sehe. Schmecke. Höre. Emotionen empfinde. Ob es andere gibt – neben mir? Ich gehe mal davon aus. Zumindest wird mir das täglich vorgegaukelt.

Coco beispielsweise tut so, als ob sie da wäre. Und greift mich an. Meine Leute: Warum sollten sie mich füttern? Wenn sie nicht existierten. Und dann gibt es noch eine ganz andere Sphäre: Träumen. Wenn ich in diese Welten abgleite, dann wirken da die Mäuse vor mir auch zu 100 Prozent echt. Bis ich dann aufwache. Keine Maus vor mir ist – das Echte also doch unecht ist. 

Meine Nuria sagt, ihre knapp 60 Stunden in Österreich bei den Skifahrern meiner Familie fühlten sich an wie ein Traum. Vom Unistress ohne Übergang in Winterspaß und wieder zurück in den Unistress.

Skifahren bei Sonne und Frühlingstemperaturen. Statt Freiburger Hochschule bei Wolken und Winter. Familie statt Kommilitonen. Unbeschwertheit und Lebensfreude statt Stress und Frust. Und ich frage mich so: Warum kommt meine Muriel nicht zu mir? Denn eigentlich läuft doch alles, das ganze Leben nur auf das Eine hinaus. Runterkommen. Und Chillen.

Was auch meine Bruna erkannt hat: Weil ihre rechte Fußsohle durch einen durch den Skischuh abgeklemmten Nerv taub ist, kann sie nur noch humpeln. Und lässt sich von einer vom Schwiegersohn der Pensionsmutter gesteuerten Pistenraupe auf deren Alm bringen. Während die anderen durch Tiefschnee dorthin wandern.

Drei Stunden muss meine Bruna dort warten. Und fragt vier Male, ob sie denn helfen könne. Tische abwischen, Abwasch, Kochen – was auch immer. Der Schwiegersohn lehnt ab. Und putzt Gläser, deckt ein, kocht vor. Während meine Bruna in der warmen Gaststube sitzt. Zum Nichtstun verurteilt ist. Weil auch ihr Handy hier keinen Empfang hat. Und endlich dazu kommt: Vorbehaltloses Chillen. 

Tja, das leidige Thema helfen lassen. Das lehnt auch die Pensionsmutter selbst ab, als meine Leute anbieten, Müll zu entsorgen. Nicht einmal die Bettwäsche dürfen sie aus dem zweiten Stock nach unten transportieren. Und ich denke so: Das verstößt wohl gegen das Arbeitsethos. Der Gast ist hier König. Zahlt ja auch für den Service.

Professionell eben. Denke ich so. Und kratze Coco, die neben mir sitzt. Sie faucht. Und ich spüre: Wir sind. Wir existieren. Really. Sagt der emotionale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spürt euch. Und chillt, Leute!

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