Hauptstadtkater

5. Dezember 2025

Feueralarm und Fight gegen Wehdienst-Reform

Krasse Unruhe hier, ganz plötzlich. Laute Stimmen. Voll aufgeregt. Der Strahl einer starken Taschenlampe streift von draußen durch mein düsteres Revier. Und ein lautes Piepen schallt durch den Innenhof. Wo Leute stehen, mittendrin – tatsächlich – ein Feuerwehrmann. Ich sehe das. Weil ich wie immer auf dem Hochbett meiner Bruna chille. Panorama-Blick durchs Fenster in den Hof. „Es brennt“, ruft ein Mann. Ich bleibe ruhig. Stoisch. Denn: Ich rieche nichts. Ich sehe weder Rauch noch Flammen. Also: Keine Gefahr.

Aber: Alle sind so unentspannt. So aufgeregt. So empört. Auch meine Bruna. Die war heute mit vielen anderen Schülern – zur Schulzeit am Vormittag – bei einer Demo gegen die Reform des Wehrdiensts. Der heute der Bundestag übrigens zustimmte. Damit ist sicher: Ab kommenden Jahren werden Menschen ab Jahrgang 2008 von der Bundeswehr zu ihrer Person befragt – und so erfasst. Männer müssen, Frauen können diesen Fragebogen beantworten.

Und ich denke so: Da haben es Frauen also mal besser. Warum? Weil das Grundgesetz für sie eh keine Wehrpflicht – die seit 2011 nur ausgesetzt ist – vorsieht. Für Männer, die ab dem 1. Januar 2008 geboren wurden, wird die Musterung wieder zur Pflicht. Ziel ist es, Freiwillige zu gewinnen. Falls es nicht genug gibt, können Jungs später für den Wehrdienst ausgelost werden. Haben aber immer die Möglichkeit, zu verweigern.

Meine Bruna erzählt von der Demo. Empörte Schüler, die nicht einsehen, in der Bundeswehr zu dienen und Gehorsam zu üben. Die sagen, es sei nicht ihr Krieg. Den könne Kanzler Merz doch selbst führen. Die sagen, sie würden von der Politik sonst nie beachtet, die Bildung werde kaputtgespart, für Klimaschutz kein Geld ausgegeben, dafür aber alles militarisiert. Jetzt plötzlich sollten sie das Land retten. Und ich denke: Sie haben ja Recht. Aber….

Da ist im Osten ein krasser Aggressor. Kremldespot Putin. Weil er selbst nicht genug Leute hat, schickt er in den Ukraine-Krieg scheinbar unendlich viele Söldner – auch aus Kuba und Afrika. Vor wenigen Tagen drohte Putin, wenn Europa Krieg wolle, Russland sei bereit. Dabei – hat Europa jemals gesagt, Krieg zu wollen?

Nun, derzeit sind zu wenig deutsche Soldaten da, Putins Truppen etwas entgegenzusetzen. Der aber reagiert nun mal nur auf Stärke. Was das bedeutet – angesichts dessen, dass auch US-Präsident Trump keinen Bock mehr hat, Europa zu verteidigen? Deutschland, Europa brauchen mehr Soldaten. Und Soldatinnen.

Denke ich so. Abschreckung. Damit es nicht zum Krieg kommt. Damit weiter Meinungsfreiheit herrscht. Pressefreiheit. Man lieben kann, wen man will. Demonstrieren kann. Alles Dinge, die unter Putin nicht möglich sind. Denke ich so.  

Meine Bruna findet die Demo gut. Sie habe viele Bekannte getroffen. Mit dabei auch ihr Cousin Karl von Fridays for Future. Auch ein Mitschüler, der ein Schild „Gegen Rechts“ trug. Und ich denke so: Wird da nicht vermischt, was sich nicht unbedingt vermischen sollte? Nun, viele wollen bis zur Abschlusskundgebung am Nachmittag nicht bleiben. Und fahren nach Hause.

In der Nachbarswohnung sind tatsächlich ein paar Zeitungen in Brand geraten. Die die Nachbarin auf dem Herd hatte liegenlassen. Ein anderer Nachbar löschte die Flämmchen. Panik over. Ich tappe wieder aus meinem Tragekorb, in dem mich meine Bruna schon gepfercht hatte. Für die mögliche Flucht. Die Rettung.

Und Coco? Hat nichts mitbekommen. Von der Lebensgefahr. Bleibt sitzen. Frech. Demonstrativ. Auf der Spüle. Zwischen Abwasch und Handtüchern. Stoisch wie ich. Sagt der gechillte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt, weg mit der Empörung, chillt wie ich, Leute.

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