Hauptstadtkater

4. März 2026

Lasst fließen, Leute – und meine Liebe zum stillen Örtchen

Meine favourite places: Stille Orte. Zum ungestörten Chillen. Chill as chill can. Es gibt einen Ort, an dem Menschen ruhig und damit gewissermaßen alle irgendwie gleich werden. Weil sie dort, um zu funktionieren, runterfahren müssen. Damit es läuft und fließt. So  richtig, he he. Die Toilette! Entspannt.

Ich liebe es, dieses Feeling zusammen mit meinen Leuten zu erleben. Weil ich spüre, wie Mensch zum Kater mutiert. Das mag naturally auch Coco. Die dieses gemeinsame Erlebnis noch einmal toppt: Sie springt beim Toilettengang meiner Leute auf deren Schoß – und rutscht dann in deren herabgelassene Hose. Um dort in einer Art Nest zu versinken. Und zusammen zu chillen. Schnurrend. 

Es ist klar: Wir müssen beruhigen. Wir Kater und Katzen. Das ist unsere Bestimmung. Vor allem in krassen Zeiten wie diesen sind unsere therapeutischen Fähigkeiten gefordert. Der Krieg im Iran eskaliert. Die iranischen Streitkräfte feuerten eine Rakete auf die Türkei ab – die von einem Nato-Abwehrsystem abgefangen wurde.

Aber krass: Zwar passierte nichts, aber was für eine Provokation! Für die Nato. Deren Mitglied angegriffen wurde. Ein Mitglied, das eigentlich bislang von dem Konflikt zwischen dem Iran sowie den USA und Israel neutral war. Und sich lange um eine diplomatische Lösung bemühte.

Klar, die USA haben in der Türkei Soldaten stationiert. Könnten für den Iran das Ziel gewesen sein. Immerhin: Dass der Nato-Bündnisfall ausgerufen wird, gilt als unwahrscheinlich. Ein Eingreifen der Nato kann nur im Konsens entschieden werden. Und Spanien und Frankreich werten die US- und israelischen Angriffe auf den Iran als völkerrechtswidrig. 

Das ist auch gut für Deutschland. Das ohnehin bereits erklärt hat, keine Bundeswehr in diesem Konflikt einsetzen zu wollen. Vielleicht auch, weil Soldaten fehlen. Und wohl auch künftig fehlen werden.

Meine Bruna sagt, morgen solle wieder gegen die Wehrpflicht in Deutschland demonstriert werden. Sie wolle hin. Und ich denke so: Welche Wehrpflicht? Steht derzeit gar nicht zur Debatte. Dafür aber die Frage: Wie sollen Meinungs- und Pressefreiheit aufrecht erhalten werden, wenn sie keiner verteidigen will? Ich springe zu meiner Bruna. Beruhigend eben. 

Und sehe, dass Diego offensichtlich einen Schritt in die richtige Richtung macht. Er schwankt mit am Ohr angeklebten Verband in mein Revier. Ein klares Zeichen dafür, dass er nicht mehr jeden Mist hören will. Denke ich so.

Um dann sein Klagen zu hören: Ein Riss in seinem Trommelfell sei operiert worden – damit er künftig noch besser höre. Sagt er. Während er sich auf der Toilette in meinem geliebten stillen Örtchen positioniert.

Ich mich mal kräftig schütteln muss und merke: Der Schein trügt eben so manches Mal. Diego will hören. Gut hören. Und Coco sucht sofort den Weg auf seinen Schoß.  Und findet ihn. „Lasst fließen.“ Sagt der gönnende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht das stille Örtchen auf. Völker der Welt. Und chillt, Leute! 

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