Hauptstadtkater

3. Januar 2026

Angst vorm Spiegelbild nach Trumps Venezuela-Attacke

Ein Auge auf – Unglauben. Zweite Auge auf – Entsetzen. Direkt neben mir – ein weißer Kater. Den ich nicht kenne. In meinem Revier. Das kann nur ein Alptraum sein. Denke ich so. Im ersten Moment. Oder eine Illusion? Denn dieser Kater vor mir riecht nicht. Kein Duft. Ich bin irritiert. Und endlich richtig wach. Aber der Kater ist immer noch da. Starrt mich unverwandt an. Blinzelt. Wie ich. Denke ich so.

Und sehe dann, tja, sehe dann, dass ich in den gewölbten Spiegel meiner Bruna blicke. Den Felix vor mir drapierte, in meiner Tiefschlafphase. Felix sitzt nun mit debilem Grinsen und gezücktem Handy vor mir. Weil er glaubt, mit mir als verdoppelten Kater kreative Katerfotos schießen zu können.

Oh Mann, Menschen. Denke ich so. Bewundere aber dann doch mein Gegenüber. Im Spiegel. Mich. Bin really überrascht über meine Erscheinung. Stattlicher Kater, edel, weise, gutaussehend, würde ich das Bild beschreiben. Ganz objektiv, ohne Narzissmus oder so – auch wenn es seitenverkehrt ist. He he. Und hoffe, dass ich sowas wenigstens hier in meinem Safe Space, meinem Tagebuch äußern darf – ohne dass mir Eitelkeit oder gar Größenwahn vorgeworfen wird.

Denn wirklichen Größenwahn, den gibt es mal wieder bei US-Präsident Trump zu bewundern. Der ließ heute tatsächlich Venezuela angreifen. Ließ den Präsidenten Maduro samt Frau festnehmen und für ein Strafverfahren nach New York fliegen – dem Paar wirft er „Drogenterrorismus“ vor. Das US-Militär sei eben das beste der Welt, prahlte Trump hernach. Und: Die USA wollten Venezuela nun erst mal selbst führen.

Und ich denke so – mein Gott, welch Hybris! Trump macht wieder mal, was er will. Bricht das Völkerrecht. Um sich die Ölindustrie Venezuelas einzuverleiben. Ob das so klappt, frage ich mich. Denn die meisten Experten sagen, die Verbrecherclique in dem autoritär geführten Land sitze weiter fest im Sattel. Maduro sei nur ihr oberster Repräsentant gewesen sein.

Und ich sehe nicht nur im Spiegel mein zweites Gesicht. Sondern spüre es auch in meinem Kopf – die beiden widerstreitenden Seiten in mir. Denn da ist natürlich auch das Teufelchen, das das Ende Maduros goutiert. Weil es Maduro hasst. Weil der sein Volk tyrannisiert, Opposition ausschaltet, Wahlen fälscht, das Geld aus den Verkäufen von Öl in seine eigene Tasche steckt, anstatt sein Volk zu beteiligen, das mehr und mehr verarmt. Obwohl in seinem Land die weltweit größten nachgewiesenen Ölvorräte schlummern.

Mein Konterfei in dem gewölbten Glas beobachtet mich. Oder ich es? Oder es mich? Verwirrung. Irrung. Ich sehe im Spiegel nun einen Bauchansatz. Bin entsetzt. Doch nicht bei mir? Mache einen Schritt zurück. Bauchansatz weg. Dafür herrlich blaue Augen. Wunderschön. Und ich denke so: Alles eine Sache der Perspektive. Sagt der gespiegelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Mustert und erkennt euch im Spiegel. Und chillt, Leute.

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