Katerliche Weihnachtsgeschichte Part three – Rätsel um …

Es war einmal ein weißer Kater. Namens Dorian. Der eine Berliner Großstadtfamilie bespielte. Und tatsächlich – wie Menschen es beschreiben würden – vor Eitelkeit triefte. Der aber auch wie alle Kater – und auch Katzen – äußerst sensibel auf seine Umwelt reagierte. Und so auch immer wieder erstaunt war, das Erstaunen der Menschen darüber wahrzunehmen. Er wusste: Je rätselhafter er für sie, desto verliebter sie in ihn. Cringe. Der Mensch. Dachte Dorian so. Und bewunderte sich. Im Spiegel.
Und so begab es sich zur Weihnachtszeit, dass Dorian in den gerade geschmückten Weihnachtsbaum sprang. Der nicht nur süßlich-scharf nach Hundepisse duftete, sondern an dem nun auch die Äste rhythmisch-verführerisch hin- und herschwangen. Und die an ihm hängenden Kugeln und erzgebirgischen Holzengel umso stärker. Die er nicht nur ins Visier nahm. Sondern fing. Ein Biss hinein. Der Engel knirschte. Stöhnte auf.

Treffer. Dachte Dorian so. Und wunderte sich. Auf eine Trümmerwüste zu blicken. Ruinen, die einst Städte waren. Menschen, Kinder, Tiere, Katzen – auf der Suche nach Nahrung zwischen zerborstenen Gebäuden. Er sah: Raketen, die Hochhäuser treffen und sie in Brand setzen. Dorian streifte den Engel ab. Vom Zweig. Ließ ihn fallen. Hörte seine Leute rufen. „Macht den Fernseher mal aus. Helft dem süßen Dorian mal da raus.“
Der aber schon auf dem Weg eine Tannenbaum-Ebene nach oben war. Dort die knallrote Christbaumkugel fing, in der sich sein Konterfei spiegelte. Wie schön, dachte er. Und schlug trotzdem zu. Und die Kugel flog in Richtung Festtafel. An der seine Leute speisten. Gans. Fleischig. Ok, dachte Dorian sich so. Und spürte seinen wachsenden Hunger. Aber sie aßen auch Ente. Vegan. Und Dorian so: „Sie futtern Fleischersatz. Hochverarbeitet. Widerwärtig.“ Seine Leute hoben die Kugel auf. Lächelnd. Winkten Dorian zu. Während dieser – verwundert ob der ruhigen Reaktion – weiter nach oben sprang. Komisch. Menschen. Cringe.
Dorian saß nun auf der Spitze des immer stärker schwankenden Tannenbaums. Und schnurrte. Ihm gefiel die Perspektive. Von ganz oben. Sah, wie sich seine Leute um den Baum versammelten. Um Katermusik anzustimmen. Schaurig. Wie er fand. Er spürte, dass er das, die hohen Frequenzen, nicht ertragen konnte. Spürte, wie er das Gleichgewicht verlor. Spürte, dass er kippte. Und mit ihm: Der Baum.
Es knallte. Weihnachten over. Dachte Dorian. Und entkam dem Geäst samt spitzen Stern nur knapp. Erwartete nun die obligatorische Strafpredigt seiner Leute. Blickte dann aber in ein sanftes Gesicht. Seines Lieblingsmenschen. Dahinter versammelt die anderen. „Passiert, stellen wir den Baum eben wieder auf“, sagte das Lieblingsgesicht sanft. Lächelnd. Während die anderen Leckerli auf ihn prasseln ließen. Rätselhafte Menschen. Cringe.

Dachte Dorian sich so. Oder: Ist das Weihnachten? Während er sich im Spiegel musterte. Schön fand. Um dann auf dem Schoß seines Lieblingsmenschen Platz zu nehmen. Mit gezückten Krallen. Versteht sich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Sagt der erstaunte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Oder ihr über ihn? Und jetzt: Genießt die restliche Weihnachtszeit. Und chillt, Leute.
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