Der Rausch der Rose im Zeichen von Trumps State of the union

Rosentag für mich. Ich liebe es. Zwei Mal im Jahr oder so servieren meine Leute mir meine Lieblingsblumen. Deren Knospen, ihr Duft, ihr Geschmack, das Bouquet. Finde ich so krass: Flow. Flash. Abheben, Eskapismus. Pur. Wichtig dabei: Vorsicht beim Testen – und Tasten. Ha, ha. Höchste Umwerfgefahr.
Was Coco, die genauso abgeturnt ist wie ich von diesen Zauberblumen, natürlich ob ihrer Jugend noch nicht weiß. So zerrt sie an den zarten Blüten. Und merkt nicht, wie der Kipppunkt erreicht ist. Es knallt. Rosen fliegen. Wasser spritzt. Auf Coco, Kerzen, Briefe, Bücher, Konzertgutscheine.
Und Felix, der heute so dauergechillt ist wie nie, wohl weil alle meine Leute ihn umschwirren, ist plötzlich komplett ungechillt. Verliert seine Dauer-Contenance. Brüllt die arme Coco an. Holt Wischmopp. Während die Bahn frei ist für mich. Zu den leckeren Rosen.

Und ich denke so: Hach, wäre ich doch einmal nur wie er. Ein Mensch. Um Macht zu haben. Um, wann immer ich will, an Rosen schnüffeln zu können. Lachen zu können. Weinen zu können. Fluchen zu können. Rausgehen zu können. Schokolade essen zu können. Kaffee schlürfen zu können. Und ich höre die wimmernde Coco neben mir. „Hach, könnte ich doch mal ein Mensch sein“, flüstert auch sie mir zu.
Ita est: Und so erheben wir uns. Singen mit meinen Leuten „Happy birthday“ für Felix. Tanzen im wilden Beat. Drehen den Lautstärkeregler bei „Sie mögen sich“ von Shaban und Käptn Peng bis auf den Anschlag. Und Coco, ich und meine Leute grölen: „Er mag sie, sie mag ihn.“ Und: „Doch, wohl bin ich ein Fuchs.“ Und: Ich bin ein Albatros.“ Und: „Dann werd ich zum Pelikan.“

Coco und ich sind inspiriert. Sie philosophiert übers Altern. Und malt ein abstraktes Gemälde mit dem Titel „Zeitgeist“. Während ich catchy Kater-Reels auf Insta teile.
Wir hören US-Präsident Trump, der sich in seiner Rede an die Nation als Weltenverbesserer lobt. Mir wird übel. Und ich denke so: Ich will doch kein Mensch mehr sein. Ich will frei und stark wie ein Adler sein. Und sehe, dass auch Coco übel ist. Vom Mensch-Sein. Wir beide fliehen.

Ich schwebe über den schneebedeckten Gipfeln der Alpen. Spüre den Hunger in mir. Sehe das feiste Murmeltier unter mir. Stürze herab. Will es krallen. Mit einem gezielten Nackentreffer töten. Das Murmeltier murmelt. Wehrt sich. Schreit. Und ich sehe: Cocos Augen in ihm aufblitzen. Und frage mich: Murmel-, Murmel-, Murmeltier, warum bist du bloß kein Stier?
Will abdrehen, und es durchfährt mich ein glühender Blitz. Ich schlage die Augen auf. Würge. Sehe Rosenknospen aus mir kullern. „Musst jeden Scheiß fressen?“ höre ich meine Bruna sagen. Während sie mich und Coco sanft krault. Mir dröhnt der Kopf. War voll auf dem Trip.


Im Rausch der Rose. Unsanft zurückgeholt. Ins Reale. Sagt der nun so verkaterte Hauptstadtkater. Der heute nicht über euch wachen kann. Und jetzt: Feiert Geburtstage und schmeißt Drogen ein. Leidet. Und chillt, Leute!
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