Tag: 3. Juli 2026

  • 3. Juli 2026

    Horror in Kiew und Gewölle auf dem Perserteppich

    Nicht immer kommt der Aggressor durch. Denke ich so. Auf dem Bett meiner Alten chillend. Und an die Ukraine denkend. Die seit mehr als vier Jahren von den Russen mit Drohnen und Raketen attackiert wird. Durch deren zerstörerische Kraft Zivilisten getötet werden. Wohnhäuser zerstört werden. Der Alltag zum Horror wird. 

    Mittlerweile haben die Ukrainer ihre Taktik und Verteidigungsfähigkeit optimiert. Sie nehmen ihrerseits Ölraffinerien und Militäranlagen der Russen in deren Hinterland ins Visier. Auch dort brennen nun Häfen und Fabriken. Und plötzlich herrscht in Russland, einem der größten Ölexportländer, Mangel an Benzin. In vielen Gebieten des Riesenreichs wird Treibstoff nur noch rationiert verkauft. Vor den Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Mit erbosten Menschen. 

    Der Krieg von Kremldespot Putin ist im eigenen Reich angekommen. Allerdings: Trotz brennender Öl-Raffinerien und Häfen – Proteste gegen das Regime gibt es nicht. Bei vielen scheint die Angst vor ihrem Staat zu groß. Viele aber auch vertrauen der Putin-Propaganda. Machen die Nato und die „terroristische“ Ukraine für den Krieg – nein: militärische Spezialoperation – verantwortlich. Und so lautet eine weit verbreitete Meinung: Russland sei schon immer von Feinden umgeben gewesen. Und müsse sich wehren. 

    Und mir bleibt nichts anderes übrig, als das Grauen zu referieren. Ein Grauen, das für die Ukraine Tag für Tag, Nacht für Nacht Realität ist. Aber für diejenigen, die nicht direkt davon betroffen sind, bleibt es abstrakt. So abstrakt, wie für katzenlose Menschen Katergewölle auf dem Perserteppich.

    Die Meldung: „Bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew sind mehrere Menschen ums Leben gekommen“ wird vielerorts kaum noch wahrgenommen. Weil normal geworden ist, was nicht normal ist. So kommt nicht einmal überraschend, dass der Aggressor Russland demnächst wieder – ganz normal – an einer Jugend-Fußball-WM teilnehmen darf – Ende Oktober in Aserbaidschan.

    Während weiter Zivilisten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sterben. Ich denke an Rudy, den Kater der Ukrainer, die einst bei den Großeltern meiner Bruna in Isernhagen wohnten. Und nun in Kiew leben. Was müssen sie für Ängste haben. Wenn in der Nähe Raketen explodieren. Vor allem aber Rudy. In einer engen Wohnung. Der ja ein viel sensibleres Gehör als Menschen hat. Und nun so gar nicht weiß, was da eigentlich los ist. 

    Putin schlägt nun – nachdem die Ukraine ihm weh tut – umso härter zurück. Vor allem auf Kiew. Vorletzte Nacht registrierte die Hauptstadt einen der schwersten russischen Angriffe seit Kriegsbeginn. Fast 30 Menschen wurden getötet. Fast 100 verletzt. Wohnhäuser zerstört. Mehr als 500 Flugobjekte, vor allem Drohnen, wurden registriert.

    Ich wälze mich auf dem Bett. Und schon sitzt Coco auf mir. Ich schrecke auf. Und sie verliert tatsächlich das Gleichgewicht. Really. Und fällt. Auf den harten Boden der Realität. So ist das. Mit Aggressoren. Sagt der attackierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Rüstet ab. Und chillt, Leute!

  • 2. Juli 2026

    Komfortmenschen und Merzreformen von der traurigen Gestalt

    Ob Kater, Katze oder Mensch: Lebewesen sind soziale Wesen. Brauchen – quasi als Lebenselixier – Kontakte zu anderen. Um von eben diesen Anderen Wertschätzung ob des eigenen Tuns zu erfahren. Wie das bei mir ist? Nun, wahre Wertschätzung fühle ich, wenn mir meine Bruna Leckerli gibt.

    Und wie ist es bei meiner Bruna? Sie fühlt wahre Wertschätzung, wenn sie für ihre neue Frisur Komplimente bekommt. Von ihren Freundinnen. Heute aber: Keine Komplimente. Weil alle – tatsächlich alle Freundinnen – weg sind. „Alle meine Komfortleute sind auf Chorfahrt oder im Schullandheim“, stöhnt meine Bruna. Keine der Verbliebenen in ihrer Klasse habe den neuen, von Laura verpassten Schnitt, bemerkt. Und so bin einmal mehr ich es, der sich um sie kümmert. Mit Sprung auf ihren Schoss. Und lautem Schnurren. Wertschätze ich sie. 

    Ähnliches versuche ich auch bei Bundeskanzler Merz. Dem Regierungschef von der traurigen Gestalt. Der in seinem Volke so unbeliebt ist wie kein Kanzler vor ihm. Und dessen Regierung vorgeworfen wird, nichts auf die Reihe zu bekommen, Versprechen zu brechen  – und sich nur zu streiten.

    Heute nun präsentieren Union und SPD ein Reformpaket – Steuern, Gesundheit, Rente, alle wichtigen Bereiche drin. Und die Ideen scheinen breit gefächert: mehr Kindergeld wird in Aussicht gestellt, dazu mehr Wohnungsbau, Lockerungen bei Befristung von Arbeitsverträgen, Bürokratieabbau – und die Ansiedlung von KI-Rechenzentren soll erleichtert werden.

    Und doch, hängen bleibt vor allem eins, etwas, was kolossal nervt: Künftig sollen Erkrankte dem Arbeitgeber bereits am ersten Tag ein Attest vorlegen – und nicht wie bisher erst am dritten. Was folgt: Ein Aufschrei vieler Arbeitnehmer. Ein Aufschrei vieler Ärzte, die einen Ansturm von Magen-Darm-Erkrankten erwarten. Ich kann den Ärger nachvollziehen. Aber unstrittig ist auch: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Krankenständen vorn. 

    Nun, ich versuche Merz zu streifen. Der mich aber ignoriert. Obwohl er kaum noch Komfortleute um sich hat. Ich sehe, die fette Mattscheibe trennt uns. Während die sozialen Netzwerke asoziale Häme verbreiten.

    Immerhin, denke ich so: Die Regierung hat gehandelt. Und gezeigt, sie kann, wenn sie muss. Was ja viele schon gar nicht mehr erwartet hätten. Das geplante Reformpaket könnte ein erster Schritt aus der Dauerkrise sein. Und ein ausgestreckter Mittelfinger Richtung rechtsextremer AfD.

    Dem Profiteur eines Regierungsversagens. Dessen düstere Weltuntergangsprognosen bei einem Reformscheitern ein stückweit Bestätigung erfahren hätten. Klar, jetzt müssen die vollmundigen Pläne umgesetzt werden. Könnte um einiges schwieriger sein als die Ankündigungen an sich. Sagt der soziale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Widmet euch anderen. Und chillt, Leute!