Hauptstadtkater

20. November 2025

Ich bin ein Mumin und Trump ein Saudi-Fan

Ich bin ein Troll. Oder besser: Ein Mumin. Denke ich so. Als ich auf die Postkarte voller Mumins blicke, die meine Nuria mir aus Freiburg geschickt hat. Die Mumins haben Wuschelschwanz, sind pelzig, klein und weiß – wie ich. Dazu sind sie weise, respektvoll, neugierig und freiheitsliebend – wie ich.

Auf der Karte ist eine Mumin-Familie – die Eltern und drei Kinder – abgebildet, auf einem Floß sitzend vor der untergehenden Sonne. Möwen davor. Idyllisch wirkt es auf jeden Fall. Denke ich so. Um dann zu merken: Die fünf auf der Karte könnten auch meine family sein. Aber wo bin dann ich? Und – ok – wo ist Coco? Was will mir meine Nuria mit dieser Karte sagen? Intelligenter Eskapismus vor der Realität? Oder: Schiffbrüchig – ist das Ende nah?

Ich höre, die USA sollen einen neuen „Friedensplan“ entwickelt haben. Um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu beenden. Zusammen mit den Russen sollen sie den Plan ausbaldowert haben. Die Europäer hören heute das erste Mal davon. Auch der ukrainische Präsident Selenskyj war nicht involviert.

Und ich denke so: Krass, wenn andere über dein Schicksal entscheiden. Und du noch nicht einmal gefragt. Was wohl ein Mumin dazu sagen würde?  „Du kannst diesen riesigen, großen Sturm auf dich zukommen sehen, und du kannst nichts dagegen tun.“ Antwortet mir einer der ihren.

Der US-Plan sieht vor, dass die Ukraine große Gebiete ihres Territoriums abtreten soll – auch solche, die der Aggressor Russland nach über dreieinhalb Jahren Krieg nicht erobert hat. Und ich denke so: Warum tendiert die US-Regierung von Präsident Donald Trump so oft in Richtung von Despoten? Und höre meinen Lieblings-Mumin, Snufkin, sagen: „Wer einen andern zu sehr bewundert, wird nie richtig frei.“

Nun, Trump scheint auch den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman – kurz: MbS – zu bewundern. Der war mehr als sieben Jahre ein Paria – der US-Geheimdienst kam zu dem Schluss, dass der Kronprinz 2018 die Tötung des regimekritischen saudischen Journalisten Khashoggi in der Botschaft in Istanbul gebilligt hatte.

Jetzt hob Trump die Isolation auf, lud MbS ins Weiße Haus nach Washington ein, nannte den Golfstaat einen großartigen Verbündeten und verteidigte den Kronprinzen. Der habe von dem Mord keine Kenntnis gehabt. Und ich höre Mumin Kleine My – mich anstachelnd im gerechten Widerstand: „Wenn du dich nicht wehrst, kannst du nicht gewinnen.“

Tja, und dann lese ich die Karte meiner Nuria. Really: Ich kann lesen! Die Mumins stellen für sie für sie eine Art Zuhause dar. Weil sie früher abends in heimeliger Atmo vorgelesen wurden. Schreibt sie. Und mir wird warm ums Herz. Höre die Mumin-Tante sagen: „Ein Zuhause ist dort, wo man verstanden wird.“

Spüre dann aber doch plötzlich eisige Kälte. Felix zwingt mich, mich zu erheben. Um die Postkarte gegen mich lehnen zu können. Und befiehlt mir, still zu halten. Fürs Foto. Für mein Tagebuch. Ich würde mich später drüber freuen. Wird nicht so sein. Weiß ich.

Stattdessen freue ich mich über die Leckerli, die er mir fürs Posen gibt. Höre Mumin Snormaiden sagen: „Manchmal ist es gut, einfach den Moment zu genießen und nicht zu viel nachzudenken.“ Sagt auch der vertrollte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt Leute. Und denkt einfach nicht zu viel nach.

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