Hauptstadtkater

2. November 2025

Vom Leckerli zur Armut

Really! Ich mag kleine Kinder! Die sind noch so rein. Frisch. Offen. Rein. Ehrlich. Denise, zarte sechs Jahre, und ihr Bruder Will, zarte vier Jahre, sind heute bei Coco und mir. Um uns zu bespielen, weil meine Leute mal wieder weg sind.

Nun, Denise und Will strahlen. Als sie uns sehen. Jauchzen, als wir auf sie zulaufen. Frohlocken, als sie uns touchieren dürfen. Und Coco und ich senden so unsere Gedanken an die Kinder: „Und nun – gebt uns endlich unsere Leckerli.“ Sie wissen, was wir wollen. Auch ohne Worte. Blicke reichen. Weil sie sensibel sind. Unverfälscht. Unverdorben. Und sie geben uns. Nur allzu großzügig.

Sind die großen Menschen nicht. Bei ihnen überwiegt Geiz. Aus Eigennutz. Verpackt unter dem Tarnmantel der geheuchelten Nächstenliebe. „Hach, ihr dürft nicht zu viele Leckerli“, sagt Felix immer wieder. „Ungesund – und ihr werdet noch dicker.“

Abgesehen von seinem absolut nicht political korrektem Bashing gegen Dicke – was mich nun auch überhaupt nicht betrifft. Stimmt es nicht. Leckerli machen schön. Finde ich. Damit ist mal wieder bewiesen: Erwachsene Menschen sind engstirnig. Egoistisch. Und ich denke so: Vielleicht ist das sogar nötig. Um in dieser Welt überleben zu können.

Aber Achtung, jetzt schwinge ich das ganz große Rad – vom Leckerli zur globalen Armut. Also: Klar ist, dass der Reichtum sehr ungleich verteilt ist. Und jene, die wenig haben und das ungerecht finden, dann auch mal klauen. Ob es das bringt, ist dann wieder eine ganz andere Frage.

Zumindest kommen Menschen, die sich arm fühlen, auf kuriose Ideen. Manchmal ganz cool, weil sie – wie jüngst beim Diebstahl von Diamantenschmuck aus dem Pariser Louvre – katzengleich ausgeführt wurden. Was bedeutet: Mit List, einer Portion Dreistigkeit und Geschick.

Die Diebe ließen sich – kurz nach Louvre- Öffnung gegen 9.30 Uhr – per Lkw-Hebebühne auf einen zehn Meter hohen Balkon des Ausstellungshauses bringen, liefen dann in einen Saal, brachen Vitrinen mit einem Trennschleifer auf und erbeuteten acht Schmuckstücke im Wert von geschätzt 88 Millionen Euro, bevor sie mit Motorrollern flüchteten. Der Einbruch dauerte weniger als zehn Minuten.

Sorry, ich will Kriminelle gar nicht bewundern. Es zeigt eben nur, dass auch Menschen kreativ werden können. Wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Allerdings: Bereits jetzt hat die Polizei ein paar Verdächtige geschnappt. Lohnt sich also offenbar doch nicht. Denke ich so.

Der Schmuck allerdings ist weg. Noch. Wie meine Leckerli. Und so haue ich Coco, weil sie schon wieder mehr davon von Denise bekommen hat. Nur weil sie Baby ist. Will erkennt. Die Lage. Und gibt mir Nachschub. Nice.

Am Abend dann platzt dann eine Überraschung rein: Ich – und auch Coco – bekommen von den Kindern einen Brief, auf den mein Katergesicht gemalt ist Eine Liebeserklärung. Sie finden uns süß. Wollen uns öfter sehen.

Und ich denke so: „Hach, herzallerliebst.“ Fühle einen Kloß in meiner Kehle. Würde gerne ein paar Tränen der Rührung verdrücken. Was Kater – anatomisch bedingt – ja leider nicht können. Aber wieder mal merke ich, wie gut Anerkennung tut. Schmeckt süßer als Leckerli. Zumindest, wenn man satt ist. Sagt der gerührte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

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