Hauptstadtkater

2. März 2026

Geiz in Zeiten des Kriegs – Blindflug aus eskalierendem Hass

Warum nur ist Chillen nicht das neue Normal? Für Mensch. Wo es doch für uns Kater schon ewig das alte Normal ist? Vor allem jetzt, wo der Frühling angebrochen ist. Die Sonne prallt und wärmt. Klar, sie, die sun, macht naturally nichts besser: Im Iran schlagen die von den USA und Israel abgefeuerten Raketen ein. Und töten. Und zerstören.

Und iranische Raketen schlagen zugleich in Israel ein. In Saudi-Arabien. In Katar. Sogar auf Zypern. Und ich denke so: Menschen sind crazy. Sie zerstören sich gegenseitig. Und bin sicher: Sie müssen entspannen. Chillen. Um genau das erkennen zu können. In ihrem Blindlfug aus eskalierendem Hass. 

Deswegen: Auszeit. Für die Erkenntnis. Denke ich so. Und goutiere mal, dass meine Alten weg sind. In Hamburg. Um sich zu besinnen. Um menschliches Verhalten zu studieren. Und sich selbst. Hoffe ich so.

Und höre: Sie sind genervt – weil die finnische Sauna im Wellnessbereich defekt ist und die Handtücher nach Krankenhaus duften. Sie sind genervt, weil der Grieche aus dem Restaurant nebenan nicht nur Fleisch mit Fleisch serviert, sondern sie auch noch als Touristen identifiziert – als er ihnen schönen Urlaub wünscht.

Und sie sind genervt vom Pärchen am Nebentisch. Die hätten ob des Frühstückspreises von weit über 20 Euro pro Person gestöhnt. Der Mann habe sich noch einen Kaffee bestellt, obwohl er schon drei gehabt habe und seine Hände leicht gezittert hätten. Die Frau habe dann ein drittes Glas Sekt geholt, obwohl sie schon nach dem ersten kaum noch habe grade zum Sektkühler laufen können.

Dann habe sich der Mann stöhnend ans Buffet gerollt – zum Lachs. Um nach dem Hineinwürgen bleich, aber zufrieden zu sagen: „Das musste noch sein. Jetzt haben wir den Preis raus.“ Zur Krönung habe er letztlich aufgestoßen, der Hauch von Lachs gemixt mit Sekt sei durch den Saal geströmt.

Und ich denke so – klingt eigentlich exakt so, wie ich Felix kenne, den alten Geizhals. Mir läuft der Speichel im Schnäuzchen zusammen. Wenn ich an den Lachs denke. Lachs! Ich liebe Lachs. Und ich denke so: Das ist der big Unterschied: Sie, die Menschen, essen, weil sie den Gegenwert des Essens herausbekommen wollen. Ich, der Kater, esse, weil ich Hunger habe.

Und sehe die in der Sonne chillende Coco. Nutze die Chance, von ihr unbeobachtet in die Küche zu huschen. Zu ihrem Napf. Mit dem Babyfutter. Das ich liebe. Weil sie es liebt.

Und dass es bald nicht mehr gibt. Weil Coco sterilisiert werden soll. In zehn Tagen. Dann: Ist. Sie. erwachsen. Wird anderes Futter bekommen. Und ihr betörender Duft wird wegoperiert und schönste Erinnerung sein. Für mich. Sagt der dekadente Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt euer Leben, Leute!  

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