Schwankende Matratzen und Cancel-Culture

Angst fühlt sich nie gut an. Obwohl sie natürlich lebensrettend sein kann. Weil sie dafür sorgt, nicht zu große Risiken einzugehen. Und notfalls zu fliehen. Jüngstes Beispiel: Ichkraxle so auf die an die Wand gelehnte Matratze. Coco sitzt unter mir, mich anhimmelnd. Nicht lange, denn sie antizipiert Gefahr, als das Ding mit mir zu schwanken beginnt. Bekommt Schiss, macht einen krassen Hechtsprung zur Seite, bevor ich mit Matratze neben ihr niederknalle. Bass erstaunt.
Diktatoren erzeugen bewusst Ängste. Um Gegner einzuschüchtern und sich an der Macht zu halten. Und auch: Weil Verängstigte Schutz, Orientierung und möglichst einfache Antworten suchen. Die sie dann – vermeintlich – bei starken Anführern glauben zu finden. Beispielsweise bei US-Präsident Trump.

Mit der Angst-Masche versucht er auch, die Medien unter seine Kontrolle zu bringen. Er droht Entlassungen und Lizenzentzüge an – und setzt darauf, dass sich deswegen einige Journalisten eine Selbstzensur auferlegen – um nicht Opfer zu werden. Denn: Wer nicht spurt, dem kann es dann so ergehen, wie dem eben suspendierten Nate-Night-Talker Kimmel.
Auch hierzulande schreitet die Polarisierung voran. Da ist eine Jung-Journalistin namens Julia Ruhs. Die bewusst die konservative Seite bespielt. In einem Talk namens „Klar“. Jetzt ist es zu einem Eklat gekommen, weil die Sendeanstalt NDR nicht will, dass sie da weitermoderiert. Kritiker werfen ihr Rechtspopulismus vor. Nachdem sie unter anderem die Brandmauer gegen die AfD kritisiert hatte.
Und jetzt: Aufschrei. Das sei Cancel Culture der öffentlich-rechtlichen Sender. Monieren die eine. Das sei zutiefst enttäuschend, moniert die Betroffene, die immerhin für den Bayerischen Rundfunk weitermachen darf. Während die Gegenseite über gelebte Programmfreiheit jubelt.
Und ich frage so: Puuh, ist das alles verbittert. Verhärtet. Und emotionalisiert. Während zugleich die Journalistin Dunja Hayali eine rechte Hasswelle aushalten muss. In der ZDF-Nachrichtensendung „heute journal“ sagte sie nach dem Tod des rechten Trump-Influencers Charlie Kirk: „Dass es nun Gruppen gibt, die seinen Tod feiern, ist mit nichts zu rechtfertigen, auch nicht mit seinen oftmals abscheulichen rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Aussagen.“
Die Aussage ist belegt. Aber: Es ist gefährlich geworden, sich in der Öffentlichkeit zu positionieren. Weil die Hasswelle prompt folgt. Um einzuschüchtern. Vor allem, wenn man dann auch noch wie Hayali Migrationshintergrund hat und lesbisch ist. Offenbar.

Und ich springe von der Matratze ab. Bin weich gelandet. Auf zu Coco. Die längst keine Angst mehr hat. Weder vor der Matratze noch vor mir. Und gechillt da liegt. Gute alte Angst.
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