Hauptstadtkater

19. Dezember 2025

Ein Weihnachtswunder – Die Rückkehr Cocos

Cool, cooler, Coco. Da ist sie wieder. Zurückgekommen. Als ob nichts passiert wäre. Als ob sie nie weg gewesen wäre. Undurchdringlich. Wirkt sie. Unbewegt. Ice-Cat eben. Sieht aus wie eine Erscheinung. In real. Auch für mich.

Als ich am frühen Morgen Richtung Balkon tappe. Und fast mit ihr zusammenstoße. Mit unserer Vermissten. Mit Coco. Die mir entgegenstolziert. Mich hoch gerecktem Kopf. Der nur von ihrem Schweif überragt wird. Schnüffelt mich an. Und ich – kann es gar nicht glauben. Wie wohl auch Felix, der mit glasigen Augen immer wieder lallt: „Ein Weihnachtswunder. Mein Gott, ein Weihnachtswunder. Und ich hatte gedacht, sie wäre für immer weg.“

Ich spüre, wie nun auch die Endorphine in mich einschießen. Glücksgefühl umhüllt auch mich. Wandelt den tiefen Schmerz von einem Moment auf den anderen in höchste Ekstase. Lässt mich emporhüpfen. Miauen. Coco lecken.

Bis die schlaftrunkene Bruna, eben aufgestanden, über Coco torkelt. Es nicht glaubt. Glauben kann. Dass es da wirklich Coco ist, die vor ihr steht. Meine Bruna glaubt, dass sie träumt. Will aber nicht träumen. Will aufwachen. Was nicht geht. Weil sie wach ist. Und plötzlich schreit sie auf. Vor Glück.

Coco und ich rasen in die Küche. Zum Napf. Der schon mit Cocos Kittenfutter gefüllt ist. Und ich so: Endlich wieder was, was schmeckt. Und sie so – total generös, lässt mich im Duett mitspeisen.

Während Felix die bereits in ihrer Psychiatrie für kranke Jugendliche weilende Laura mit einem Anruf und den Glücks-News in Euphoria versetzt. Und Laura überträgt ihren Flash heute dann gleich auf sieben Patientinnen. Die erstmals seit Wochen wieder lächeln. Sich entspannen. Und Wünsche und Ziele für ihre Zukunft formulieren. Ein. Riesen. Erfolg. Dank Coco. Denke ich so.

Alle sind geflasht. 40 Stunden war Coco verschwunden. Draußen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Felix sagt, er habe am frühen Morgen vom Balkon nur nochmal Ausschau auf die Straße halten wollen, ob Coco da sei.

Habe gefroren. Und dann den auf dem Balkon stehenden Tannenbaum kurz angehoben. Und da habe er ein leises Miauen gehört. Über sich. Wahrscheinlich. Oder rechts? Das Miauen wiederholte sich, Felix lockte, dachte, ich sei es. Und plötzlich sei Coco da gewesen. Hinter ihm. Und sei wie selbstverständlich ins Innere meines Reviers gelaufen.

Wo sie die zwei Tage war? Ein Rätsel. Meine Leute suchten sie in dieser Zeit mehrfach auch auf dem Balkon. Ich bin Zeuge. Der Nachbarsbalkon – zwei Meter entfernt. In rund zehn Meter Höhe. War sie da? Oder auf den Fenstersimsen nebenan. Irgendwo oben? Im von einem Netz zusammengepressten Tannenbau? Nur sie weiß es. Schweigt aber. Selbst mir gegenüber. Und ich sehe so: Sie hat große Ohren. Sie wird geflogen sein. Um die Welt. Oder so.

Und ich denke so – mit Blick auf Ice-Cat Coco: Wenn du wüsstest, wie verrückt du alle gemacht hast. Der ganze Kiez suchte nach dir. Selbst in Japan, Australien und der Ukraine wurden für dich Kerzen angezündet. Die Polizei fahndete nach dir. Menschen weinten. Und ich – voll krass – ich machte dir ein Liebesgeständnis. Was du zum Glück nicht gehört hast. Sagt der glücklichste Hauptstadtkater der Welt. Der über sich wachen lässt. Und jetzt: Genießt und chillt, Leute.

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