Hauptstadtkater

14. Oktober 2025

Depression. Zweckoptimismus. Gaza.

Ohne Tief kein Hoch – nur mit diesem Wissen kann ich mich heute motivieren. Aufbauen. Denn ich fühle mich leer. Ausgepowert. Antriebslos. Kurz: DOG – Depressiv. Ohnmächtig. Gleichgültig. Also: Wie ein Köter. Und so hänge ich vor der Glotze.

Sehe Bilder vom Gazastreifen. Alles zerbombt. Nur Trümmer. In denen Menschen ihre Wohnung suchen – und nicht finden. In denen Menschen Hilfslieferungen von Lkw plündern. Essbares suchen. Und nicht finden. Ich höre die Hamas-Terroristen prahlen: Israel müsse vernichtet werden. Höre israelische Minister sagen: Die Hamas müsse entwaffnet werden. Sie dürfe nie wieder Macht bekommen.

Gestern also – nach Freilassung der letzten 20 lebenden Geiseln aus der Gefangenschaft der Hamas im Gazastreifen fühlte ich: Euphoria. Heute dann aber die krasse Ernüchterung. Weil der Konflikt eben doch weiter ausweglos erscheint. Keiner so richtig zu sagen vermag, wie es weitergehen wird. Auch wenn US-Präsident Trump schon jubelt, der Krieg sei vorbei. Aber eigentlich weiß niemand, wer denn den Gazastreifen künftig verwalten wird. Und wer darüber wachen soll.

Die Waffenruhe dort scheint fragil. Welchen Grund sollte Israel haben, nicht weiter gegen die Hamas vorzugehen, jetzt, wo die lebenden Geiseln zuhause sind? Und Israel hätte dafür sogar bereits eine Rechtfertigung. Denn: Anders als vereinbart sind nicht die 28 Leichen von Geiseln übergeben worden – sondern erst acht.

Wahrscheinlich, weil die Überreste in dem Chaos gar nicht mehr geborgen werden können. Die israelische Regierung jedenfalls hat sich in Stellung gebracht: Hamas habe die Vereinbarung gebrochen. Sagt sie. Und ich frage mich so: Was hat das für Auswirkungen?

Und ich setze tatsächlich auf die Eitelkeit des US-Präsidenten. Dessen Hauptziel es ist, nun wenigstens im kommenden Jahr den Friedensnobelpreis zu bekommen. Um das Ziel zu erreichen, muss ein Frieden in Nahost stehen. Denke ich so. Weswegen er Druck auf seinen Verbündeten Israel ausüben müsste, nicht erneut anzugreifen.

Allerdings tönte Trump bereits heute: Falls sich die Hamas nicht entwaffnen lasse, werde das mit Gewalt geschehen. Und ich sehe Bilder von durch Gazas Straßen fahrende, schwer bewaffnete Hamas-Kämpfern, die versuchen, wieder Kontrolle zu übernehmen. Und bereits zig Menschen hingerichtet haben sollen, die sie als Verräter ausgemacht haben wollen.

Ich sehe meine Leute. Die ob der Bilder des Leids zusammengesunken sind. „Was für ein Katzenjammer.“ Sagt Felix. „Ich habe fast so was wie einen Kater“. Sagt Laura. Ich spüre Widerstand in mir wachsen. Ob dieser Wortwahl. Was erlaubt sich Mensch hier wieder? Verbindet negative Gefühle mit Katzen. Und Katern!

Und ich merke: Es tut gut, sich über solche Nebenschauplätze aufzuregen. Das lenkt ab. Wut weckt Widerstand. Also: Zerstört: DOG – Depression. Ohnmacht. Gleichgültigkeit. Zugunsten von CAT – Cool, apart, taff. Und ich denke so: Irgendwann ist jedes Tief überwunden. Und es folgt ein Hoch. Manchmal aber auch nicht. Sagt der zweckoptimistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt. Handelt.

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