Hauptstadtkater

14. Dezember 2025

Ukraine-Friedensverhandlungen ohne mich

Ich bin wirklich: Aufgeregt. So aufgeregt. Und das als gechillter Hauptstadtkater. Aber nur fünf Kilometer von meinem Revier entfernt, im Kanzleramt, wird seit heute Weltpolitik gemacht. Vielleicht sogar so etwas wie Geschichte geschrieben. Weil über den Anfang des Endes des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verhandelt wird. Über einen Friedensplan.

Mit dabei: Der ukrainische Präsident Selenskyj, US-Unterhändler, Kanzler Merz – und ab morgen dann noch ganz viele Nato- und EU-Bosse. Nicht dabei: Ich. Und – auch nicht ganz unwesentlich – der Russe fehlt ebenfalls.

Nicht nur ich bin aufgeregt. Alle sind voll aufgeregt. Der Kanzler, weil er die Chance hat, endlich Europa in die Ukraine-Verhandlungen reinzubringen und dabei eine Führungsrolle einzunehmen. Die Amerikaner, weil sie sich als weltweite Friedensengel etablieren wollen, um dann wieder Handel mit Russland starten zu können. Die Ukraine, weil es nun tatsächlich um ein Ende des Kriegs geht – aber auch darum, Optionen zu bekommen, die einen künftigen Angriff für Russland unmöglich machen.

Nun: Ich bin schon wieder ganz ruhig. Weil alles, was ich weiß, ist: Eigentlich muss niemand aufgeregt sein. Weil derjenige, an den sich der Plan richtet – Russland –  gar nicht mit am Tisch sitzt. Oder vielleicht doch?  Frage ich mich so: In Gestalt der USA? Welch Horror!

Und so zweifle ich, ob die Verhandlungen hier in Berlin überhaupt was bringen: Denn bislang simulierte Kremldespot Putin ja nur so etwas wie Diplomatie, um seinen Krieg weiterführen zu können. Machte deutlich, nicht von seinen Maximalforderungen abzuweichen. Wozu auch Gebietsabtretungen der Ukraine zählen, die Russland gar nicht erobert hat. Also inakzeptabel. Für die Ukraine.

Selenskyj dagegen zeigt sich nun kompromissbereit: Anders als sogar in der Verfassung seines Landes verankert, würde die Ukraine ihre Ambitionen auf einen Nato-Beitritt aufgeben – wenn es dafür Sicherheitsgarantien der USA und der Europäer gäbe. Heißt es. Darüber wird nun in Berlin verhandelt.

Und auch wenn klar ist, dass Putin die ganze Ukraine will und Kompromisse wohl abschmettert. Es ist positiv, wenn sich die Ukraine und ihre Verbündeten auf eine Linie einigen. Und noch positiver für alle wäre: Wenn ich – ein gechillter Kater – mit meinen positiven Vibes dabei wäre. Denke ich so. Denn klar ist doch: Wer aufgeregt ist, verhandelt nicht gut.

Allein: Sie laden mich nicht ein. Und mein Optimismus bekommt einen weiteren krassen Dämpfer. Weil ich sehe: Der Mensch ist und bleibt eine Bestie. Zwei Männer schießen am berühmten Bondi Beach in der australischen Metropole Sydney auf Menschen, die das jüdische Lichterfest Chanukka feiern. 16 Menschen werden umgebracht, fast 30 verletzt. Offenbar ein antisemitischer Anschlag.

So viel Hass. Macht mich fertig. Um mich zu beruhigen, muss ich Coco beobachten. Sie ist entspannt. Schnurrt und chillt. Und ich merke, wie sich dieser Vibe auf mich überträgt. Wer chillt, entwickelt Hoffnungen. Sagt der zweifelnde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid lieb zu euren Nächsten. Und chillt.

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