Kater- und Putinmythen zu den Klängen der Geige meiner Bruna

Es ist ein Mythos, dass Kater – und Katzen – keine menschengemachte Musik mögen. Wenn meine Bruna die Geige nimmt und sanft den Bogen über die Saiten gleiten lässt, bin ich dabei. Zu ihren Füßen. Sie lässt schnurren, ich schnurre mit. Die Obertöne sind so nice, ein absoluter Chill-Faktor, versetzen mich in Trance. Bringen mich in andere Sphären. Flow. Und Coco geht`s ähnlich. Sie ist mit dabei. Bevorzugt bei uns derzeit: Bach – Violinkonzert Nummer eins. A-Moll.
Mythen sind gefährlich. Weil sie Vorurteile schüren. Die oft falsch sind. Beispiele gefällig: Als ob schwarze Kater – oder Katzen – Unglück brächten. Als ob Kater – oder Katzen – sieben Leben hätten. Als ob für Kater – oder Katzen – Milch gesund wäre. Im Gegenteil: Wir können daran kollabieren.
Mythen sind überall – menschlich irgendwie. Um Welt einfach zu erklären und zu verstehen, vor allem in Zeiten, in denen Orientierung fehlt.

Über Kremldespot Putin und seinen Ukraine-Krieg gibt es auch zahlreiche Mythen. Geschürt durch die russische Propaganda. Und ich denke so: Als ob Putin – wie von ihm behauptet – die Ukraine „entnazifizieren“ will; ein demokratisches Land mit einem jüdischen Präsidenten an seiner Spitze. Als ob die Ukraine – wie von Putin behauptet – historisch gesehen Teil Russlands sei; sie ist ein anerkannter souveräner Staat. Als ob der Westen – wie von Putins Russland behauptet – schuld an dem Krieg sei; Russland annektierte nicht nur bereits 2014 völkerrechtswidrig die Schwarzmeerhalbinsel Krim, sondern begann dann aus oben genannten Nicht-Gründen am 24. Februar 2022 seinen großen Krieg gegen den Nachbarn.
Nun, es gibt natürlich auch Mythen, die positivere Bilder zeichnen als eigentlich berechtigt. Felix machte nun eine solche Erfahrung, als ihm eine Kollegin – mittlerweile mit Führungsrolle – sagte, er sei schuld, dass sie Weihnachten arbeiten werde. Denn vor zig Jahren, als sie in der Abteilung, die er leitete, gearbeitet habe, sei sie beeindruckt gewesen, als er die Weihnachtsdienste übernommen habe. Und das damit begründet habe, dass er nicht wolle, dass seine Mitarbeiter da ranmüssten. Felix freut sich. Kann sich nicht daran erinnern. Und weiß, dass er in jener Zeit zu Weihnachten frei hatte.

Felix krault mich. Braucht Entspannung. Denn der Alte ist traurig. Dass ein geschätzter Kollege in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ein Kollege, der in aller Welt gearbeitet hatte, ein Auskenner. Mit Leidenschaft dabei. Und so wird er dann auch gewürdigt, als Leuchtturm, Fels – und Mensch. Der nicht nur Welt erklären kann, sondern sowohl Satzbau und Sprache als auch journalistische Regeln beherrscht.
Eine Kombination, die es nicht mehr so häufig gebe. Behauptet Felix. Und ich denke so: Er tickt wie alle alten Menschen, die denken, sie seien unersetzlich und ihre Zeit sei die beste gewesen. Nun, Felix sagt, die Beschreibungen über den nun verabschiedeten Kollegen seien kein Mythos. Sondern Realität, wie sie realer nicht sein könne.
Und ich blicke auf Coco. Real. Die sich zu Bachs Obertonreihen rekelt. Und dann, als meine Bruna ihr Violonieren stoppt, sofort in den Instrumentenkasten jumpt. Sodass meine Bruna keine Chance hat, die Geige reinzulegen. Und weiter fiedeln. Muss.

Ich entschwebe. Und empfehle mich. Sagt der musikaffine Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute. Und hört die Melodien meiner Bruna. Vor allem die Sequenz von a-moll zu C-Dur. Bach. So nice. As chill can.
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