Heuchler, Hoden, Helden – vor der Sterilisation Cocos

Das Recht des Stärkeren gilt überall. In der großen Politik. In der Familie. Bei uns. Es ist so krass, was sich meine Leute mal wieder so anmaßen. Und über unsere Fortpflanzungsmöglichkeiten richten. Von uns Katern. Von uns Katzen. Göttergleich entscheiden, ob wir unsere Gene weitergeben dürfen.
Ich darf nicht. Und Coco soll auch nicht dürfen. Morgen soll sie unters Messer. Aufgeschnitten werden. Sterilisiert werden. Da hilft wenig, dass meine Leute sie bedauern. Bereits jetzt. Vor allem Felix, der alte Heuchler. Der nun heult, Cocos Gene müssten eigentlich weitergegeben werden. Da sie eine solch großartige Katze sei.

Dieser sanfte Charakter. Dazu intelligent, aufgeweckt, liebevoll, verwuschelt, wild – und manchmal hündisch, wenn sie wie ein Köter bei jedem Klingeln zur Tür rast und mit ihrem Schwanz wedelt. Dann ihr Aussehen: Stattlich, groß, wuscheliges Fell, herrlich gezeichnet. Die Augen. Die spitzen Ohren. And so on and so on. Ich könnte kotzen.
Ich höre meine Bruna, die weint, die Operation tue der armen Coco doch weh. Und danach müsse sie eine Krause tragen, damit sie die Wunde nicht lecke. Und Diego so: Ja, die 300 Euro für die OP könnte man auch besser investieren…

Und ich denke so: Yes, Leute. Ihr müsst das nicht machen. Ihr seid die Stärkeren. Wenn es darum geht, was durchzusetzen. Aber eigentlich seid ihr so schwach. Ich erinnere mich an den Jänner 2024 – meine Enteierung. Schmerzvoll, demütigend, traurig.
Das Schlimmste: Kaum aus der Narkose erwacht, musste ich mit ansehen, wie die Tierärztin meiner Bruna meine gerade abgeschnittenen Hoden präsentiert wie Jagdtrophäen. So süß und klein wie Murmeln. Meine Bruna wurde blass. Und blässer. Bevor die Ärztin meine Hoden dann in den sterilen Abfalleimer warf. Fuckomio.

Ja – Entscheidungen treffen können sie, die Menschen. Jedenfalls solche, die nicht sie selbst betreffen. Sondern andere. Die Konsequenzen ihrer Entscheidungen sehen. Wollen sie dann nicht. Wobei ich auch schon mehr oder weniger elegant bei meinem Lieblingsschreibgegenstand gelandet bin – US-Präsident Trump.
Der im Januar ja den venezolanischen Präsidenten Maduro aus dessen Palast in Caracas entführen ließ. Sich dafür feiern ließ – ohne dabei auch nur ein Wort über die bei der Aktion Getöteten zu verlieren. Und dann – in einer Art Rauschzustand ob dieses „Erfolges“ – zusammen mit Israel den Iran angreift.
Nun bereits vom Sieg fabuliert. Aber ganz offenbar überhaupt keine Exit-Strategie hat. Nicht im geringsten zu wissen scheint, welches Ziel er nun im Iran verfolgt. Geschweige denn, wie ein Iran nach dem Krieg aussehen könnte.
Es ist alles so traurig. Weil sich offenbar nur noch die Starken durchsetzen. Beratungsresistent, berauscht von Macht, ohne Rücksicht auf die Schwächeren. Coco liegt nichtsahnend in meinem Korb. Und ich liebkose sie. Lecke sie. Beruhige sie. Und mich. Sagt der enteierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vermehrt euch, so lange es noch geht. Und chillt, Leute!
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