Hauptstadtkater

12. Januar 2026

Cocos Run in die absolute Freiheit

Freiheit! Absolute Freiheit. Coco hatte sie. Heute. Glaubte sie jedenfalls. Am Anfang. Als sie plötzlich draußen war. Weil Felix nicht gerafft hatte, dass Coco in seinen Rucksack sprang. Den er aufsetzte. Auf seiner Radtour durchs winterliche Berlin. Und Coco so – hernach vollkommen aufgeregt. Weswegen ich an dieser Stelle nun mal – ausnahmsweise – ihr das Wort überlasse. 

Cocos Erzählungen also: „Krass. Prickelnd“, beginnt sie ihre Story. „Plötzlich fühlte ich mich mitsamt meiner Rucksack-Höhle hochgehoben – Felix trug mich raus. Und ich konnte kaum glauben, dass er nicht merkte, dass ich direkt hinter ihm war. Hinter seinem Kopf. Und sich unsere Atemfontänen draußen zu einer Säule verbanden.

Euphoria. Die kalte Luft, die um meine Nüstern wehte. Der Duft nach Kötern, Schnee, Benzin. Verschneite Tannen. In der City. Ich sah Bruna, auf dem Weg zu ihrer Ergo-Therapeutin, wo sie heute ihren ersten Praktikumstag absolvierte. Und ich dachte so: Arme Bruna, wie unfrei.

Felix radelte weiter, am Rodelberg Friedrichshain vorbei. Wo ich Diego neben einem Krankenwagen stehen sah. Felix stoppte. Diego deutete auf seinen Freund Flo, der von Sanitätern versorgt wurde. Beim Schlittenfahren seien sie gegen einen Zaun geknallt, Flo habe wohl seinen Arm gebrochen, sagte Diego. Und ich dachte so: Armer Diego, armer Flo, wie schmerzhaft. Wie unfrei. 

Felix radelte weiter. Blinkende Lichter. Auf dem Alex. Und ich sah ein überdimensionales Plakat mit den Lettern: „Frei. Will. Ich.“ Genau das, was ich heute so machte. Und ich dachte so: Vielleicht hat es der Mensch doch drauf. Und erkennt Prioritäten. Tun, was man will. Denken, was man will.

Und ich merkte: Ich war da, wo ich immer sein wollte: Frei eben. Und dann las ich weiter: „Das Plakat warb für die Bundeswehr. Für den Wehrdienst. Eher unfrei. Dachte ich so. Und sah die Ambivalenz. Zweifelnd. Kaum hatte ich das gedacht, spürte ich einen dumpfen Aufprall.

Felix war gestürzt. Mit dem Rad. Auf dem Eis des Platzes. Und ich so – raste aus dem Rucksack. Raus. Über den Platz. Hörte Felixens Schreien: „Coco, Du hier? Komm zurück.“ Ich sah die Lichter einer Straßenbahn auf mich zukommen. Schreiende Menschen. Und ich: In Vollpanik. Die meinen Freiheitsdrang erstickte. Bis mich dann endlich Felix packte. Und zurück verfrachtete. In Charlies Revier. Hier.“

Coco ist zurück. Schnurrt neben mir. Mit mir. Und ich denke so: Was ist eigentlich Freiheit? Klar ist nur, sie ist nicht einfach. Tut auch weh. Ist anstrengend. Muss erkämpft werden. Sagt der befreite – und erwachte  – Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Feel free. Und chillt, Leute!

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