Hauptstadtkater

11. September 2025

Über Grenzen, Katzengras und gemeinsames Kotzen

Es liegt im Wesen von Menschen, Grenze auszutesten. Wie weit kann man gehen, ohne dass der andere reagiert. Oder nur wenig reagiert. Dieses Verhalten gibt es ganz offensichtlich auch bei meiner Spezies. Schon bei unseren Kleinsten. Kitten. Coco.

Und hier die Story dazu: Laura bringt mir mein geliebtes Katzengras mit. Absolut lecker. Würgereiz garantiert. Und Coco? Rast an mir vorbei. Und hat ihren Kopf bereits in den Grastopf gesteckt, bevor ich ihn erreiche. Sie grast, lässt mir kaum Raum. Sie spielt mit den Halmen, klammert sie zwischen ihren Krallen fest. Bis der Topf kippt. Toll.

Sie beachtet mich nicht. Und ich staune. Was soll ich tun? Denke ich so. Eskalieren? Zeigen, wer der Chef ist? Oder abwarten. In der Ruhe liegt die Kraft. Sie ist ja nur ein Baby. Das aber Grenzen braucht. Ganz sicher. Denke ich so. Denn schon bald. Da wird sie groß sein. Sehr groß. Vieler größer als ich. Und dann könnte es zu spät sein, Grenzen zu setzen.

Grenzen austesten kann sehr gefährlich sein. Vor allem bei den Menschen. Bei Politikern. Und Diktatoren. Russland testet ständig. Ob sich sogenannte rote Linien verschieben lassen. Schießt wieder mal, wie gewöhnlich, Drohnen auf die Ukraine.

Und hups – da fliegen doch glatt welche nach Polen. Gleich 19 Stück. Auf ein EU- und Nato-Land. Und was machen die Polen? Und die Nato-Verbündeten? Schießen die russischen Dinger ab. Erstmals. Und sind mächtig sauer. Auf Moskau.

Versteht Russland nicht. Offiziell. Es sei doch gar nicht beabsichtigt gewesen, Polen zu beschießen. Lässt Moskau verlauten. Polen dagegen behauptet, es könne sich nicht um Zufall handeln, es sei ein militärischer und politischer Test der Russen für Polen und die Nato.

So ähnlich denken auch andere westliche Verbündete. Russland wolle checken, wie die Nato reagiere, wenn Grenzen, bislang geltende rote Linien überschritten würden, heißt es. Wolle sehen, wie Polens Luftverteidigung funktioniere. Und ob die Nato dem Land wirklich beistehe. Im Fall der Fälle verteidigungsfähig sei.

Ich eskaliere nicht. Weil Coco meine Grenzen ja gar nicht kennt. Irgendwann hat Laura die Töpfe wieder aufgestellt. Coco wird ruhiger. Und ich geselle mich zu ihr. Gemeinsames Grasen.

Und kurze Zeit später: Gemeinsames Kotzen. Tut so gut. Gesäubert zu sein. Und ich denke so: Exakt 24 Jahre nach den Terroranschlägen des 11. Septembers in den USA haben Coco und ich es geschafft: Die Grenzen sind überwunden. Gewaltfrei.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert