Tag: 15. Oktober 2026

  • 15. Oktober 2026

    Per Pfotenklick auf die richtige Seite der Geschichte und wie ich die Welt (nicht) fast rette

    Per Pfotenklick die Welt ändern – das wär’s. Denke ich so. Als ich Felixens Schreie höre, nur weil ich über die Tastatur seines Computers marschiere. Und dabei ein paar Buchstaben in seinen Bericht über den jüngsten Disput zwischen den USA und der Ukraine reintippe – und mir die Autokorrektur hilft: Wodurch aus der Überschrift „Selenskyj fühlt sich von Trump betrogen“ „Selenskyj fühlt sich von Trump verstanden“ wird.

    Hach, nice, denke ich so. Weil es bedeuten würde: Endlich unterstützen die USA die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland mit ausreichend Raketen, Munition, Informationen. Tja, ich muss mir selbst eingestehen, während Felix mich stöhnend von der Tastatur fegt: „Träum weiter, Alta. Und schau auf die Realität.“

    Und die ist so: Selenskyj sieht bei seinem jüngsten Interview in London nicht nur erschöpft aus, sondern klingt auch so, als er der US-Regierung ziemlich undiplomatisch Vorwürfe macht. Sie stehe in dem Krieg nicht mal mehr in der Mitte. Sagt der ukrainische Präsident. Er wisse nicht, wer Trump auf die falsche Seite dränge. „Aber das ist nicht die richtige Seite der Geschichte.“

    Sagt Selenskyj. Warum? Er sieht zum einen Verrat im Diesel-Deal zwischen Trump und Kremlchef Putin. Weil dadurch die Sanktionen gegen Russland unterlaufen werden und der Kreml seine Kriegskasse füllen kann. Zum anderen vermutet Selenskyj, dass die USA sein Land neuerdings von extrem wichtigen Geheimdienstinformationen abschnitten.

    So dass die Ukraine nicht wie bislang Hinweise bekomme, wann und wo Russland Raketen startet. Und so die Abwehr erschwert bis unmöglich gemacht werde. Zudem sei die Leistung des US-Satelliteninternets von Starlink so stark gedrosselt worden, dass die eigenen Drohnen nicht mehr auf Ziele in Russland gesteuert werden könnten. Sagt Selenskyj.

    Nun, kann gut sein. Denke ich so. Denn die US-Administration will ein Ende des Kriegs, um Geschäfte mit Russland machen zu können. In Selenskyj sieht sie das größte Hindernis dafür. Und so forderte Trump kürzlich eine Präsidentenwahl in der Ukraine. Und Starlink-Chef und Trump-Buddy Musk ließ verlauten, Selenskyj müsse weg.

    Geht einfacher, wenn sich die Ukraine nicht mehr verteidigen kann. Denke ich mit Blick auf Selenskyjs Vorwürfe. Und kann mir gut vorstellen, dass Trump und Co. die Ukraine auflaufen lassen. Während Russland weiter Raketen auf Kiew und andere ukrainische Städte feuert. Energieanlagen zerstört. Dutzende Menschen tötet und verletzt. Unstoppbar. 

    Ich sehe mit Freude auf Felixens Monitor, dass die Überschrift nun ganz weg ist, ersetzt durch lauter „L“-Buchstaben. Die immer weiter einlaufen. Während Felix flucht. Und mich wieder mal als Schuldigen ausmacht. „Dein Fell zwischen und unter den Tasten hat die Tastatur zerstört“, heult er rum. Schmeißt das Ding auf den Boden. Echt. Und tritt drauf.

    Und ich denke so: Immer auf die Kleinen, Schwachen. Im Großen wie im Privaten. Sagt der gedemütigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt fair. Und chillt, Leute!