Tag: 12. Oktober 2026

  • 12. Oktober 2026

    Jammen mit Nuria in Palermo gegen den Weltenfrust und ich schnurre tief, sehr tief

    Nichts beruhigt so wie Musik. My first love. Und wenn ich so daliege und meinen tiefen Bass schnurren lasse, beame nicht nur ich mich damit in Chillmood. Sondern ich sehe die geradezu hypnotische Wirkung auch auf andere. Menschen.

    Und so verstehe ich auch meine Nuria und ihre Leidenschaft zur Musik. Denn sie beherrscht auch einen Bass. Den Cello-Bass. Und stürmt mit ihrem Groove Palermo. Bei Jam-Sessions in den Bars. Die mittlerweile zu Highlights in ihrem Leben auf Sizilien geworden sind. Gegen Frust. Und zum Abreagieren. Und Glücklich-Werden. 

    Denn alles ist dort in Palermo eben doch nicht so easy. Was manchmal erst Alltag so richtig entblößt. Und meine Nuria – Girl des Prenzlauer Bergs, Girl Freiburgs, kurz: Girl der grün-alternativen bio-veganen Bobo-Bubble – wird dadurch naturally voll touchiert. Da es ihre Themen sind, die hier konträr verhandelt und gelebt werden: Feminismus, Umweltschutz, Klimaschutz, Ernährung, Rassismus.

    Dass ihr hintergepfiffen werde, daran habe sie sich gewöhnt, erzählt meine Nuria. Catcalling gehöre zum Alltag. Dass über Homosexualität gelästert werde, triggere sie sehr. Aber, wenn eine große Gruppe sich darüber amüsiere, sei es eben schwierig bis unmöglich, dagegen anzudiskutieren.

    Dass auf Partys das „N“-Wort ohne jedwede Scham benutzt werde, habe sie fassungslos gemacht. Aber Unterhaltungen seien gar nicht so easy. Denn alle erzählten nur über sich selbst. Interesse am Anderen: Fehlanzeige. Überall: Gleichgültigkeit. Wie in Berlin. Und Alkohol gehöre zum Leben dazu. Wer das wie sie ablehne, bekomme zu hören: „Wer Wasser trinkt, rostet.“

    Und dann: Überall Müll. Alles in Plastik verpackt. Also: Nerv. Und deswegen: Jammen in der Bar. Mit Italienern. Die von Musik ungefähr so viel verständen wie sie von Spanisch. Egal. Hauptsache: Abreagieren. 

    Und ich denke so: Mensch bleibt eben Mensch. Überall auf der Welt: Egal ob unter Palmen und von Sonne beschienen oder bei Regen in grauen Volksparks der Muddastadt.

    Felixens Zahnarzt erzählte heute von einer Patientin, die den Weltuntergang vor Augen habe. 2029 werde die Nato Russland angreifen, nein, müsse angreifen, wegen der immensen Aufrüstung derzeit  – und ein Weltkrieg werde alles auslöschen. Der darauf folgende Patient habe ihn – den Zahnarzt – dann beruhigt. Vor einem Weltkrieg 2029 müsse niemand Angst haben. Bereits ein Jahr zuvor – 2028 – werde die KI die Menschheit ausgelöscht haben.

    So, nehmt das, ihr Pessimisten. Denke ich so. Und schnurre trotzdem. As schnurr can. Und meine Nuria genießt nach dem Jammen einen Drink. Auf der Piazza. In der lauen Sommerluft Palermos. Lacht sie mit ihren Freundinnen. Und Freunden. Diskutiert über die bessere Welt. Und wie cool es sei, sich mit konträren Einstellungen und Ansichten direkt auseinander setzen zu dürfen.

    In der Katerstadt Palermo. Sagt der entspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hört: „It’s the end of the world and we know it“ von R.E.M. Und chillt, Leute!