Wer Safe Spaces nicht akzeptiert, spürt meinen Zorn, auch Israelis

Rückzugsorte sind so nice. Raffen viele nicht. Also – meine Leute. Wenn Coco und ich also vollkommen crazy auf die leere Pakethülle zustürzen. Aus der Felix eben einen Trinkrucksack – ja sowas Absurdes gibt es – gezogen hat und die er nun zerreißen will. Was wir verhindern: Mit einem Satz gegen sein Bein. Und einem gegen seinen Arm.
Die Pakethülle fällt herab. Neben Coco. Und drin ist sie. Und nicht ich. Shit happens, denke ich so. Denn auch ich liebe sie. Die Pakethülle. Dunkel und kuschelig innen, unauffällig außen. Die perfekte Beobachtungsstelle ohne selbst beobachtet werden zu können. Ein Safe Space. Wo ich mich wohl fühle. Keine Belästigung, keine Diskriminierung. Nice eben.


Klar, Safe Spaces, sichere Rückzugsorte suchen Menschen auch. Verfolgte vor allem. Wie die Juden. Nach dem Holocaust, bei dem die deutschen Nationalsozialisten rund sechs Millionen ermordet hatten, fanden sie diesen Platz in Palästina. Und goutierten den Plan der Vereinten Nationen, das britische Mandatsgebiet in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufzuteilen. Gründeten Israel 1948.
Aber – trotz der Erfahrung des Mords am eigenen Volk – es gibt bereits seit längerem Israelis, die das Land auf Kosten der Palästinenser immer weiter vergrößern wollen. Und dann noch Extremere, die offen für die Ermordung von Palästinensern eintreten. Ungestraft. Brechen sie Tabus. Die in Israel selbst keine mehr zu sein scheinen. Da ein öffentlicher Aufschrei ausbleibt.
Was passiert ist? Der rechtsextreme – ja rechtsextrem! – Polizeiminister Ben-Gvir sagte kürzlich in einem Podcast, jede Nacht sollten im Gazastreifen 30 bis 40 Palästinenser gezielt getötet werden. Und zwar nicht nur solche, von denen eine unmittelbare Gefahr ausgehe. Sondern Menschen, die des Lebens nicht würdig seien.


Sagt ein Jude. In der Attitüde eines Hitlers. Der sich anmaßt, lebenswertes von nicht lebenswertem Leben unterscheiden zu können.
Und ich denke so, Ben-Gvir will also von seinem Rückzugsgebiet aus das ohnehin umkämpfte Rückzugsgebiet der Palästinenser zerstören und die dort lebenden Menschen ermorden, die er übrigens hitlerlike als Tiere bezeichnet. Ich bin really empört. Wütend. In Israel aber bleibt es seltsam ruhig.

Deutung eins: Die Menschen sind müde, sind Äußerungen wie diese gewohnt, weil sich der Minister nicht zum ersten Mal radikal äußert. Deutung zwei: Sie pflichten ihm mehr oder weniger bei. Und ich höre von meiner Nuria, dass sie gestern ihre Reise mit ihrem Freund Piet nach Schweden abbrach, weil sie keinen Rückzugsraum, sprich ein Zelt im Dauerregen aufbauen wollte. Heute nun aber hätten sie den perfekten Safe Space entdeckt. Ein Tiny Haus. Bei Malmö.

Und ich? Bin wieder mal zu spät dran. Es ist schon heftig für meinen Mind: Wenn Coco in der Pakethülle bleibt. Muss ich eben verzichten. Und den Platz hinter dem Herd aufsuchen. Auch nice und dunkel. Aber abseits vom Schuss. Sagt der heimelige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Empört euch über Israel. Und chillt, Leute!