Warum ich gerne Mörder bleiben würde und die Machtübernahme der KI

Kann das Künstliche das Echte übertreffen? Ersetzen? Frage ich mich so, als ich auf meinem neuen Katerfutter rumkaue. Schmeckt nicht schlecht – Geschmacksrichtung Lamm-Huhn, hätte ich gedacht. Wenn ich es nicht besser wüsste. Der Fleischgeschmack ist imitiert, nicht echt. Künstlich.
Felix hat mir testweise – empörend: obwohl alle Katerfachleute davor warnen, weil wir Fleischfresser sind und das auch brauchen – nun, er serviert mir veganes Katerfutter aus Great Britain. Mit Blaualgen, Omega-Fettsäuren und pflanzlichen Proteinen. Schmeckt. Und meine Bruna? Jubelt: „Du bist kein Mörder mehr“, ruft sie. Und streichelt mich.
Und Felix so? Hat sich hinter seiner Zeitung verbarrikadiert und imitiert Lesen. Um – vollkommen weird – in aller Heimlichkeit seine Putenmedaillons zu speisen. Was Coco natürlich erkennt. Und Zugang findet. Indem sie mit Pfote und ausgefahrenen Krallen das Papier zerstört. Spiderman und Odysseus zerstört, deren Konterfeis groß darauf prankten.
Und Felix überraschend gelassen, spricht mit fleischgefülltem Mund: „Ok, Jungs und Mädels, habt ja Recht. Dann geh ich mal.“ Seine Stimmung: Unten. Weil er eben doch was gelesen hat in seiner Zeitung. Was ihn runterzieht.

Er erzählt: Es gebe eine Studie, nach der durch Künstliche Intelligenz geschriebene Storys von Probanden häufig als spannender eingeschätzt werde als die von Menschen verfassten. Vermutet werde, dass KI-Texte leichter zu lesen seien, die KI könne eben aus Millionen Ideen und Formulierungen anderer Autoren auswählen.
Frustrierend, findet Felix. Er wolle keine von Maschinen verfasste Bücher lesen. Und ich frage mich so: Ob der Text in seiner Zeitung, der renommierten Süddeutschen, vielleicht auch von KI verfasst wurde? Ob die Studie echt war? Wo doch schon einige Politiker eingeräumt haben, ihre Reden von KI schreiben gelassen zu haben.
Nun, Felix ist noch nicht fertig: In der Zeitung werde eine weitere Studie vorgestellt. Die habe herausgefunden, dass KI-generierte Stimmen in Hörbüchern Hörer nicht mehr abstießen. Im Gegenteil: KI spreche mittlerweile sehr gut. „Damit geht ein ganzer Berufszweig den Bach runter“, zitiert Felix den Forscher Stocker.


Kurz danach sitzt er an seinem Home-Arbeitsplatz. Und kopiert den persischen X-Post des iranischen Präsidenten Peseschkian in das Übersetzungsprogramm deepl. Um zu verkünden: Der Iraner stelle den USA weitere Forderungen, damit die Blockade der Straße von Hormus aufhört.
Toll, was die Übersetzer können. Denke ich. Und höre, das US-Unternehmen Anthropic wolle seinen Chatbot Claude mit einem unsichtbaren Wasserzeichen versehen, das auch erhalten bleibe, wenn ein Text kopiert und woanders wieder eingefügt wird. Hmm.
Coco ist real. Und schnell. Supercat eben. Hat sich von Felixens Teller ein Stück Filet geangelt. Was der gar nicht bemerkt. Da er um seine zerfetzte Zeitung trauert – und darin schon wieder ein Sinnbild sieht für eine untergehende Kultur – oh Mannomann….

„Ob Spiderman und Odysseus auch KI-generiert waren“, heult er rum – dann wäre seine ganze Begeisterung nach den Filmen nicht angemessen gewesen. Findet er. Who knows? Frage ich mich.
Die Zuschauer strömen derzeit zu beiden Filmen in die Kinos. Also ganz old school. Und ich partizipiere am Medaillon, das Coco vor mich legt. Teilen ist nice. Von echtem, gesundem Fleisch. Für ein langes Leben. Sagt der reale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Geht ins Kino. Und chillt, Leute!