Tag: 31. Juli 2026

  • 31. Juli 2026

    Der fellige Kater staunt über nackte Menschen

    Menschen und ihr Verhältnis zum Körper: Strange. Liegt wahrscheinlich daran, dass sie kein Fell haben, sondern nur ihre – ganz objektiv: hässliche – rosafarbene Haut. Die dann noch nicht mal so richtig ihr Fett verbirgt. Und trotzdem gibt es welche, die unbekleidet oder mit String-Tanga an Stränden stehen.

    Welche wie Arnold Schwarzenegger, die noch mit 79 Jahren ihre Muskeln stählen und ihren Oberkörper dann stolz dem Boulevard präsentieren. Aber auch welche, denen das ein Gräuel ist und die strikt dagegen sind, zu viel Haut zu zeigen. Und solche, die sich sogar ganz verhüllen, selbst das Gesicht. Ok, das gebietet diesen Frauen ihr Glauben. Beziehungsweise ihre Männer. Und ich denke so: Soll doch jeder machen, was er will. Geht nicht. Merke ich. 

    Weil: Da gibt es die Spielverderber. Die die freie Entfaltung der Persönlichkeit verhindern. Jene, die rumsetzen oder wie Felix ständig rumfotografieren. Und damit so nerven. Weil es eben intime Momente gibt, die man nicht teilen will.

    Beispielsweise: Coco im Bett meiner Bruna. Ich auf dem Schoß von Diego. Solche Momente gibt es natürlich auch für Mensch, Momente, die sie nicht teilen wollen. Prekär: Nacktaufnahmen. Prekärer: Nacktaufnahmen von Minderjährigen. Am prekärsten: Wenn die dann auch noch veröffentlicht werden. Was ich total verstehe, denn alle haben das Recht am eigenen Bild. Das nur ihnen gehört. Nur so traurig – dass das nicht auch für Kater und meinetwegen auch Katzen gilt. Anderes Thema. 

    Nun, wer zumindest vor ein paar Jahrzehnten vorgab, Aufnahmen nackter Jugendlicher sei Kunst, hatte lange gute Chancen, damit nicht nur durchzukommen, sondern sogar dafür bewundert zu werden. So war das zumindest vor gut 50 Jahren.

    Da drehte Kult-Regisseur Wim Wenders im Film „Falsche Bewegung“ eine Szene, in der die damals 13-jährige Nastasja Kinski mit nacktem Oberkörper gezeigt wird, ihr 33-jähriger Filmpartner lag nur mit Slip bekleidet neben ihr auf dem Bett, ohrfeigte und streichelte sie. Wenders wurde für den Film, für die Szene gefeiert.

    Strange: Menschen, denke ich so. Nun, jahrelang kämpfte Kinski gegen die weitere Verbreitung der rund zweiminütigen Szene – vergeblich. Wenders räumte zwar vor ein paar Wochen ein, heute würde er eine solche Szene nicht mehr drehen. Er weigerte sich aber, sie nachträglich zu canceln. Ansonsten könnten ja je nach Zeitgeist Kunstwerke beliebig verändert werden, meinte er.

    Nun doch die Kehrtwende: Wenders sagt, er habe die Szene aus dem Film entfernen lassen. Die Entscheidung sei Ausdruck seiner veränderten Sichtweise und seines Respekts gegenüber Kinski. Er und sie wollten, dass die Erinnerung an den Film nicht länger von diesem Konflikt überschattet werde und der lange freundschaftliche Umgang wiederhergestellt werde. 

    Nun, möge es so sein. Denke ich so. Und versuche den Gedanken zu verdrängen, dass Schadenersatzforderungen Kinskis und der öffentliche Shitstorm zu Wenders Sinneswandel beigetragen haben könnten. Ich weiß nur, dass ich weiß bin, he he. Und dass ich keine Kleidung brauche. Nackt-fellig eben. Wie auch Coco. Bunt-nackt eben. Und gefellt. Sagt der fellige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid schamlos. Und chillt, Leute!