Tag: 30. Juli 2026

  • 30. Juli 2026

    Balance-Halten beim Erdbeben im Fußball-Revier

    Ich schwanke. Weil Felix mal wieder nicht checkt, dass ich auf meinem Chillstuhl chille. Und so zieht er ihn  abrupt weg, vom Tisch. Ich halte es aus. Balanciere. Und denke so: So ist das also. Bei einem Erdbeben. Denn davon sprechen sie gerade. Also, Fußballexperten und Felix.

    Dass der Weltfußball zutiefst erschüttert sei. So stark wie nie zuvor. Und vor einer Zerreißprobe stehe. Denn der europäische Fußballverband UEFA droht dem Weltfußballverband FIFA mit Boykott von dessen Premium-Wettbewerb Weltmeisterschaft.

    Zurecht, meint Felix. Denn der widerliche FIFA-Boss Infantino verhökere das schönste Spiel der Welt und zerstöre es so. Indem er Anteile an der WM an private Investoren verscherbeln wolle. Und mit diesem Plan – offensichtlich ohne die Verbände zuvor zu informieren – vorgeprescht sei.

    Falls Infantino seinen Plan tatsächlich durchdrücken würde, würde das also bedeuten: In vier Jahren eine WM ohne Titelverteidiger Spanien, ohne Länder wie Frankreich, England, Portugal oder – nun ja, auch ohne Deutschland. Vorausgesetzt, die würden sich qualifizieren, denke ich so. Und verstehe, das wäre so, als ob einem Kater das Chillen weggenommen würde und damit also das Beste, das Lebenselixier plötzlich fehlen würde.

    Denn: Wen interessiert eine WM ohne die europäischen Spitzentams? Wenige. Auch wenige Sponsoren. Und die UEFA so: Man werde nur dann von einem Boykott absehen, wenn der Infantino-Vorschlag vollständig zurückgezogen werde. Und es eine Garantie gebe, dass Fifa-Wettbewerbe nie für private Investoren geöffnet würden.

    Felix frohlockt. Denn nach den 55 UEFA-Mitgliedsverbänden hat auch der nord- und mittelamerikanische Verband seine Ablehnung signalisiert. Das bedeutet, dass Infantino mit seinem Plan gescheitert zu sein scheint. Oder es eine Spaltung im Weltfußball geben wird.

    Aber, ich frage mich: War dessen Modell wirklich so schlecht? Geld wollen doch alle verdienen. Auch die UEFA. Die bislang auch nichts dagegen hatte, dass private Investoren aus Staaten wie Katar oder Saudi-Arabien Mehrheiten an europäischen Clubs übernahmen. Also: Pseudo-Moral? Machtspiele?

    Denn auch ich würde ja vom Infantino-Plan profitieren. Denn wenn private Investoren noch mehr Geld aus der WM quetschen würden, würde das ja bedeuten: Alles würde mehr – mehr Spiele, mehr Fernsehen, und damit mehr Chillen. Bestätigt auch Felix.

    Denn im Gespräch sei schon länger, alle zwei Jahre eine WM zu machen – will die UEFA nicht, denn dann gäbe es Komplikationen mit der EM. Im Gespräch sei auch, die Zahl der Teilnehmer nochmal zu erhöhen, von 48 auf 64. Bedeutet: Mehr Spiele.

    Und: Die gerade eingeführten Trinkpausen könnten für mehr Werbung fest etabliert werden. Was ich ebenfalls goutiere. Denn ich mag Reklame. Weil bunter. Und meist lauter. Als das Spiel an sich. Und es könnten auch grundsätzlich längere Halbzeitpausen wie beim WM-Finale eingeführt werden. Für peinliche Konzerte. Was ich auch lustig finde.

    Nun, Felix, der alte konservative Purist, ist gegen die FIFA-Pläne. Feiert die UEFA. Schiebt mich samt Chill-Platz wieder unter den Tisch. Und meine Erde kommt zur Ruhe. Für mich und den Fußball, die wichtigste Nebensache der Welt: Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt Fußball. Und chillt, Leute!