Das verrückte Murmeltier grüßt nicht im französischen Paradies

Déjà vu? Ich kenne es nur zu gut. Schleiche mich auf den Balkon. Warte. Weiß, jetzt müsste Coco kommen. Sie kommt. Weiß, jetzt müsste Diego kommen. Er kommt. Weiß, jetzt müsste er uns reinscheuchen. Er scheucht uns rein. Und ich denke so, seltsam ernüchtert: Eigentlich ist das Leben ein einziges „Und täglich grüßt das Murmeltier“.
You know? Der Film aus aus den 90ern, in dem ein komischer Typ denselben Tag immer wieder durchlebt. Ich erlebe es – leicht variiert – auch so. Alles Wiederholung in Endlosschleife. Und manches schein so, als ob ich es in einem vorigen Leben schon einmal durchgemacht hätte. Und so ist mein Erleben manchmal fast irgendwie übersinnlich. Abgespalten von meinem Ich. Oder anders: Bin – werde ich verrückt?

Schaut nur auf den mächtigsten Mann der Welt! Schon wieder ließ Donald Trump den Iran angreifen – trotz Waffenruhe. Sagt dann, die Waffenruhe sei gescheitert. Sagt ,die Iraner seien Abschaum. Sagt, die Iraner seien verrückt. Sagt, er sei bereit zu Verhandlungen. Sagt, die Iraner wollten verhandeln. Die Iraner sagen, sie hätten das nicht gesagt.
Und so ist es wie zig Mal zuvor: Trump wiederholt sich. Um dann wie immer zu drohen, falls der Iran nicht verhandeln wolle, werde der nächste Angriff noch schlimmer werden. Und ich denke so: Den Drohungen folgte nie etwas. Trumps Sprüche sind immer dieselben. Déjà vu. Wie armselig. Bekloppt. Debil. Verrückt eben.

Während ein Teil meiner Leute – also Felix, Laura und meine arme Bruna – am Atlantik in der französischen Gemeinde Lacanau ihr tägliches Murmeltier erleben. Erneut urlauben sie dort. Wie im vergangenen Jahr. Und erzählen, sie hätten das Gefühl, gar nicht weg gewesen zu sein. Sonne, Wellen, Surfer. Déjà vu.
Und doch hat sich etwas geändert: Statt der exklusiven Wohnung in der zweiten Etage mit exklusivem Blick vom Riesenbalkon aufs Meer sind sie nun in einer düsteren Erdgeschosswohnung mit tristem Dünenblick auf kleiner Terrasse eingezwängt. Umgeben von schreienden Babys und hustenden Männern im Endstadium.
Und das Schlimmste: Das Paradies sei in Sichtweite – 200 Meter Luftlinie von ihrer Höllen-Terrasse. Mit einem dort auf dem Riesenbalkon sitzenden Paar, das der untergehenden Sonne entgegen schmachtet. Und meine Alten denken: Warum nur, warum nur ist das Murmeltier so unperfekt? Und hat uns den Ort nicht gelassen?

Was für Probleme. Denke ich so. Und leide mit Diego. Dessen Murmeltier Prüfungen sind. Heute: Wichtig, spanisch, 90 Minuten. Es sei wie in der Schule früher. Sagt Diego. Alle Kommilitonen drehten am Rad und hätten Angst durchzufallen. Wie damals eben. Déjà vu.
Alles Schleife. Alles Wiederholung. Denke ich so, als Diego mich und Coco vom Balkon trägt. Wie immer eben. Déjà vu. Sagt der rotierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt locker. Und chillt, Leute!