Tag: 16. Juni 2026

  • 16. Juni 2026

    Alles Ansichtssache – über Zwitterpositionen und Abkommen

    Alles Ansichtssache: Ist der Napf halb voll oder halb leer? Ist Coco aggressiv oder gechillt? Alles Fragen, die ich mir so manches Mal stelle. Wenn ich mich Coco nähere. Die breitbeinig auf dem Sofa liegt – Kopf leicht angehoben. Strahlende Augen. Vibrierende Schnurrbarthaare. Leise schnurrend. Wir fixieren uns – es passiert erst mal nichts.

    Und ich merke, Cocos Reaktion hängt von mir ab. Wenn ich zu ihr springe zum Kuscheln, wird sie mich aggressiv abwehren. Wenn ich mit ihr spielen will, wird sie sich chillend zurückziehen. Ansichtssache also, wie man sie nun einschätzt. Klar ist nur eins: Aus Katzen schlau werden – unmöglich he, he. 

    Auch das Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA zur Beendigung ihres Kriegs wird von den beiden Ländern total unterschiedlich eingeschätzt und interpretiert. Beide Seiten deklarieren es naturally als Erfolg für sich – und Sieg über den Gegner. Die Waffenruhe soll verlängert werden, da sind sich die Feinde immerhin noch einig.

    Die US-Strategen um Präsident Trump aber brüsten sich dann damit, dass der Iran die von ihm blockierte Straße von Hormus wieder aufmachen werde. Im Gegenzug werde man die Seeblockade gegen iranische Häfen aufheben. Eine Maut für die wichtige Handelsstraße werde von den Mullahs künftig nicht erhoben. Über das Atomprogramm werde in den kommenden Wochen verhandelt.

    Und die Iraner jubeln, sie hätten den Krieg gewonnen. Die USA müssten die Angriffe auf den Iran stoppen, die Israelis den Beschuss auf die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Von den USA eingefrorene Gelder müssten freigegeben werden. Und für den Wiederaufbau müssten die USA auch zahlen. Darüber hinaus werde das atomwaffenfähige Material anders als verlangt nicht herausgerückt. 

    Und ich denke so: Haben die USA und der Iran verschiedene Abkommen verhandelt? Wohl nicht, allerdings haben beide einen jeweils eigenen Spin. Eine eigene Ansicht dazu. Und ich denke so: Hauptsache, der Krieg wird tatsächlich beendet.

    Allerdings: Die Lage für den Westen ist zweifelsohne durch den israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran Ende Februar schlechter geworden. Es könnte jetzt ein Zustand wie vor dem Krieg erreicht werden – allerdings weiß der Iran nun, was man mit der Straße von Hormus für ein Machtinstrument in der Hand hat. Das Regime, das gestürzt werden sollte, sitzt fester denn je im Sattel.

    Arme Bevölkerung. Denke ich so. Und die USA? Die haben einen Machtverlust zu verdauen. Denn für alle Welt ist deutlich geworden, dass die Amis es nicht schaffen, den Iran militärisch zu besiegen. 

    Ich stakse an Coco vorbei. Und merke: Eigentlich will ich nur chillen. Was natürlich nicht funktioniert. Denn Coco – in ihrer komischen Zwitterposition zwischen Chill und aggressive – goutiert das nicht. Springt auf mich. Sodass ich mich geschlagen gebe – so jagen wir zusammen durchs Revier. Coco zum halb vollen, ich zum halb leeren Napf. Sagt der sinnierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Think positive. Und chillt, Leute!